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Dr. med. Timo Grün

Herr Dr. med. Timo Grün, Facharzt FMH für Urologie, hat im Jahre 2011 eine Facharztpraxis in Reinach AG übernommen. Wie hat er diesen grossen Schritt in die berufliche Selbständigkeit vorbereitet und wie hat er ihn erlebt? Was würde er heute anders machen? Das und noch vieles mehr für alle, die diesen Schritt noch vor sich haben und aus den Erfahrungen von Kollegen profitieren möchten.

Herr Doktor Grün, warum haben Sie sich für eine «Praxisübernahme» und nicht für eine «Eröffnung» entschieden?
Die Entscheidung wurde mir vom Bund abgenommen. Da es zum Zeitpunkt meiner Praxisübernahme den Zulassungsstopp gab, war ich gezwungen eine Praxis zu übernehmen.

Warum haben Sie sich ausgerechnet im Kanton Aargau, besser gesagt in Reinach, niedergelassen?
In Reinach wurde zum richtigen Zeitpunkt eine urologische Praxis zur Übernahme ausgeschrieben.

War für Sie eine «Gemeinschaftspraxis» nie ein Thema?
Die Überlegungen, mich mit einem Arbeitskollegen gemeinsam selbstständig zu machen, habe ich schnell beiseite gelegt. Für mich ist der grosse Vorteil meiner Praxisarbeit, dass ich jeden Patienten sehr individuell behandeln kann. Je individueller der Therapieansatz (der sich natürlich auch bei mir an Guidelines orientiert), desto schwieriger ist es mit einem Praxispartner individuell zu therapieren. Genau das scheint mir aber bei einer Gemeinschaftspraxis sehr wichtig zu sein. Die verschiedenen Praxispartner müssen nach den gleichen Richtlinien therapieren, da es sonst zu einem zunehmend unzufriedenen Patientenstamm mit Fluktuation zwischen den Ärzten kommt, was gewiss auch zu einer Verschlechterung des Arbeitsklimas führt. Als einziger Arzt bin ich in meiner Praxis für alle medizinischen Entscheidungen verantwortlich und kann sie mit bestem Gewissen tragen.

Wie haben Sie das Projekt «Praxisübernahme» vorbereitet?
Für das Projekt gab es zwei Phasen. Die erste Phase dauerte etwa drei Jahre. In dieser Zeit habe ich mich sehr ausführlich mit mir und meinen beruflichen Vorstellungen auseinandergesetzt. Es ging immer um die gleichen Fragen: Bin ich ein Teamplayer? Welche Gewichtung trägt die operative Tätigkeit hinsichtlich meiner beruflichen Zufriedenheit? Erfüllt mich eine in erster Linie diagnostizierende und beratende Funktion? Kann ich mich auf die Bedürfnisse von Patienten einlassen und liegt mir das gesundheitliche Wohl des Patienten wirklich am Herzen? (Sie staunen sicherlich über die letzte Frage, aber ich habe viele Beispiele kennengelernt, in denen es um alles andere ging, aber nicht um das Wohl des Patienten.) Die zweite Phase dauerte etwa ein halbes Jahr. Es war mir aber bereits in der ersten Phase klar geworden, dass ich für die zweite Phase Profis brauche, die all das, von dem ich keine Ahnung hatte (und das war sehr viel) zuverlässig für mich erledigen und mich beraten. Nur so war eine stressarme Praxisübernahme möglich. An dieser Stelle möchte ich mich bei FEDERER & PARTNERS herzlich bedanken.

War es schwierig im Fall einer «Praxisübernahme» einen Bankkredit zu bekommen?
Nein. Wenn man sich über so lange Zeit mit dem Thema Selbstständigkeit beschäftigt und zu dem Schluss kommt, dass die Selbstständigkeit der einzig mögliche Weg ist, um zufrieden bis zur Rente arbeiten zu können, dann hat man die nötige Selbstsicherheit, um seinen Lebensentwurf vor einem Bankier überzeugend auszubreiten.

Wie haben Sie die letzten Tage vor der «Übernahme» erlebt?
Ich habe Ferien gemacht.

Und wie war der erste Tag in der eigenen Praxis?
Ich bin sehr früh in der Praxis gewesen und habe die Stille genossen. Der Maler war noch dabei die Wände zu streichen. Den ersten Patient habe ich in einem provisorischen Büro begrüsst, die Möbel waren mit Folien abgedeckt. Wir haben uns über diese skurrile Situation sehr amüsiert.

Wie beurteilen Sie die Situation jetzt nach 2 Jahren?
Ich arbeite nicht weniger als im Spital, aber ich arbeite effizienter, ruhiger, sicherer und mit mehr Freude.

Was würden Sie heute anders machen?
Nichts.

Was ist das Geheimnis Ihres Erfolges?
Zufriedenheit.

Was würden Sie Ihren Kollegen, welche den Schritt in die Selbstständigkeit noch vor sich haben, mit auf den Weg geben?
Man sollte sich – mit allen daraus resultierenden Konsequenzen – darüber im Klaren sein, dass man aus der Anonymität des Spitals heraustritt und für den Patienten einen Namen hat. Das ist nicht nur von Vorteil! Selbstreflexion ist wichtig. Man muss wissen, wo die Grenzen der eigenen medizinischen Handlungsfähigkeit liegen und sich am besten täglich daran erinnern, dass man diese Grenzen nicht überschreitet. Wenn die berufliche Selbstständigkeit als Ziel definiert ist, sollte man sich nicht scheuen Profis ins Boot zu nehmen, die dafür sorgen, dass man zum Zeitpunkt der Praxiseröffnung oder Praxisübernahme keine unangenehmen Überraschungen bezüglich aller notwendigen Formalitäten erlebt, damit man sich selbst von der ersten Stunde an mit seiner ganzen Energie auf das konzentrieren kann, was man als Arzt am besten können sollte: Patienten behandeln.

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