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Publikationen

Sukzession: Vor- und Nachteile aus Sicht des Beraters

Janick Merkofer, Thomas Naef

Die eigene Arztpraxis über Jahrzehnte aufgebaut, ein vertrautes Team, eine enge Patientenbindung – und dann kommt der Moment der Praxisübergabe. Für viele Ärzte verkörpert die eigene Praxis mehr als einen Arbeitsplatz, sie ist ein Lebenswerk. Eine kalte Übergabe birgt Risiken: Patienten könnten abspringen, das Team verunsichert werden und der Nachfolger steht eventuell ohne Erfahrung in einer Praxis da, weil er direkt aus dem Spitalarbeitsumfeld stammt.

Die sukzessive Übergabe einer Arztpraxis ist eine bewährte Methode, um den Übergang zwischen altem und neuem Inhaber möglichst sanft und reibungslos zu gestalten. Anders als bei der kalten Übergabe, bei der der bisherige Inhaber die Praxis vollständig und sofort abgibt, erfolgt die sukzessive Nachfolgelösung schrittweise. Der Nachfolger wird in den Praxisalltag integriert, bevor er die Praxis vollständig übernimmt und allein führt. Diese Vorgehensweise bietet sowohl dem abgebenden Arzt als auch dem Nachfolger eine Vielzahl von Vorteilen, bringt jedoch durchaus Herausforderungen mit sich.
Dieser Artikel zeigt die Vor- und Nachteile der sukzessiven Übergabe aus der Sicht eines Beraters auf und erläutert, welche Aspekte dabei beachtet werden müssen. Denn eine erfolgreiche sukzessive Nachfolgeregelung braucht nicht nur einen würdigen Nachfolger – sondern auch eine durchdachte Strategie.

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, bedeutet der sukzessive Ausstieg eine sanftere Trennung vom eigenen Lebenswerk. Viele – vor allem Ärzte, die ihren Beruf leidenschaftlich ausübten – ertragen den sofortigen Rollenwechsel vom angesehenen Arzt in die „Bedeutungslosigkeit“ eines engagierten Hausmannes oder eines Pensionärs weniger gut. Insbesondere, wenn während des stressigen Alltags Hobbys zu kurz gekommen sind und nun keine kompensatorische Beschäftigung vorliegt. Bei einem sukzessiven Übergang werden solche Szenarien durch eine schrittweise und langsame Übergabe deutlich abgefedert.
Auch der Nachfolger profitiert von diesem Aspekt. Die schrittweise Übernahme erleichtert ihm den Einstieg, da er sich mit den Abläufen, dem Team und dem Patientenstamm vertraut machen kann, bevor er die Praxis in vollem Umfang übernimmt. Gerade für junge Ärzte ist dies eine attraktive Option, da sie sich nicht sofort in die gesamte wirtschaftliche Verantwortung stürzen müssen.
Für den abgebenden Arzt gibt es neben all den Vorteilen auch Herausforderungen. So kann eine lange Übergangszeit zu einer Doppelbelastung führen. Während er weiterhin eine gewisse medizinische Verantwortung trägt, muss er den Nachfolger einarbeiten und mögliche unterschiedliche Vorstellungen über die Praxisführung ausbalancieren. Für einen Arzt, der seit Jahren allein in der Praxis tätig und eventuell eine Arbeit im Team nicht mehr gewohnt ist, eine nicht zu unterschätzende Änderung.

Auch menschliche Faktoren spielen bei einer Sukzession eine grosse Rolle und bringen Risiken mit sich. Während es bei einer Übergabe mit einem klaren Schnitt weniger wichtig ist, eine gewisse Sympathie und Empathie für den Nachfolger zu haben, braucht es jene bei einer gemeinsamen weiteren Zusammenarbeit umso mehr. Nicht zuletzt erfordert die Zusammenarbeit zwischen dem bisherigen und dem neuen Praxisinhaber ein hohes Mass an gegenseitigem Respekt und eine gute beidseitige Kompromissbereitschaft. Es ist durchaus möglich, dass unterschiedliche Arbeitsphilosophien oder Entscheidungen zur Praxisführung zu gewissen Spannungen führen können. Allein deshalb ist es unabdingbar, die Sukzession auch vertraglich gut zu regeln. Hier muss erwähnt werden, dass eine Sukzession oft komplexer ist als eine sofortige Praxisübernahme, insbesondere die vertraglichen Gegebenheiten müssen detailliert angeschaut werden. Neben einem Übernahmevertrag, der den Kauf der Praxis regelt, ist es essenziell, die Zusammenarbeit ebenfalls klar vertraglich festzuhalten. Die Möglichkeiten hierfür sind:

  • Anstellungsvertrag
  • Gesellschaftsvertrag
  • Infrastrukturnutzungsvertrag
Bezüglich Vertragsausgestaltung ist die sukzessive Übergabe häufig anspruchsvoller als eine direkte Praxisübernahme. Es müssen genaue Regelungen zur Dauer der Übergangszeit, zur finanziellen Abwicklung und zur Verteilung von Rechten und Pflichten getroffen werden. Unklar formulierte Verträge können zu Missverständnissen und rechtlichen Problem führen, die bei einer weiteren Zusammenarbeit noch stärker ins Gewicht fallen und eine Kooperation womöglich kompliziert gestalten.
Durch die enge Zusammenarbeit während der Phase der stabilen Doppelpraxis profitiert man aber auch von diversen Synergieeffekten. Da ist zum einen der fachliche Austausch unter Kollegen, der in den meisten Fällen sehr geschätzt wird. Es gibt zudem betriebswirtschaftliche Aspekte wie die Kostenteilung, beispielsweise bei Miet- oder Personalkosten.
Ein weiterer Punkt, der für eine gute sukzessive Übergabe wesentlich ist, sind die räumlichen Gegebenheiten. Wir sind der Überzeugung, dass Praxen mindestens zwei bis drei Sprechzimmer und mindestens 140 m2 Praxisfläche benötigen, um eine erfolgreiche Sukzession durchführen zu können. Falls dies nicht der Fall ist, ist die Gefahr gross, sich früher oder später auf den Füssen herumzutreten, was wiederum das Konfliktpotenzial um ein Vielfaches erhöht. Zu den räumlichen Aspekten kommt noch dazu, dass genügend Patienten für mehrere Ärzte vorhanden sein sollten, damit eine Sukzession Sinn macht und sich betriebswirtschaftlich lohnt.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Sukzession kein Patentrezept ist, sondern eine individuelle Entscheidung, die an die Bedürfnisse beider Parteien angepasst werden muss. Mit der richtigen Strategie, einer durchdachten und frühzeitigen Planung sowie professioneller Beratung kann sie jedoch zu einer Win-win-Situation für den Praxisinhaber, den Nachfolger und nicht zuletzt auch für die Patienten der Praxis werden, die von einer reibungslosen Kontinuität der medizinischen Versorgung profitieren.
Um einen Einblick in die Sukzession zu gewähren, haben wir mit Dr. med. Kurt Krieger gesprochen, der über viele Jahre zusammen mit seiner Frau Dr. med. Brigitta Krieger eine erfolgreiche Hausarztpraxis in Aarwangen führte.

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