Prof. Dr. med. Markus Pfister

Herr Prof. Dr. med. Markus Pfister, Facharzt FMH für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, spez. Hals- und Gesichtschirurgie, hat vor über 11⁄2 Jahren eine Facharztpraxis in Sarnen übernommen. Wie hat er diesen grossen Schritt in die berufliche Selbständigkeit vorbereitet und wie hat er ihn erlebt? Was würde er heute anders machen? Das und noch vieles mehr für alle, die diesen Schritt noch vor sich haben und aus den Erfahrungen von Kollegen profitieren möchten.

Herr Professor Pfister, warum haben Sie sich für eine «Praxisübernahme» und nicht für eine «Eröffnung» entschieden?

Eine Praxisübernahme gewährleistet die Übernahme eines Patientenstammes, ein gut funktionierendes Zuweisernetzwerk und ein etabliertes, aufeinander eingespieltes Praxisteam. Des Weiteren ist die Unterstützung durch den Vorgänger sehr hilfreich, um als «Neuer» in der Region Fuss zu fassen.

Warum haben Sie sich ausgerechnet in Sarnen niedergelassen?

In erster Linie lag dies am Angebot. Der Kanton OW hat ein grosses Einzugsgebiet und im Vergleich zu anderen Kantonen eine geringe Spezialistendichte. Es besteht über das lokale Kantonsspital sowie Belegkliniken in Luzern die Möglichkeit, eine breites Behandlungs- und Servicespektrum anzubieten.

War für Sie eine «Gemeinschaftspraxis» nie ein Thema? Warum?

Zuerst war es für mich wichtig, nach jahrelanger Tätigkeit im Team eines Universitätsklinikums die Herausforderung des Führens einer Einzelpraxis anzunehmen und damit Erfahrungen sammeln zu können. Ausserdem war es mir wichtig, die Praxis- und Versorgungsstruktur meines Vorgängers im Interesse der Patienten weitestgehend fortzuführen.

Wie haben Sie das Projekt «Praxisübernahme» vorbereitet?

Entscheidend war für mich als Ausländer ein professionelles Beratungsteam vor Ort zu haben, welches mich sowohl bei der Erstellung des Businessplanes als auch bei der Vertragsverhandlung mit dem Vorgänger und den zuständigen Institutionen und Behörden begleitet hat. Zudem habe ich mich bei bereits niedergelassenen Kollegen informiert und mich mit den gesundheitspolitischen und gesetzlichen Aspekten vertraut gemacht.

War es schwierig im Fall einer «Praxisübernahme» einen Bankkredit zu erhalten?

Aufgrund der professionellen Beratung und der klaren Planungsstrategie für die Startphase waren die Banken bereit, mir entsprechende Finanzierungsangebote zu unterbreiten. Hilfreich war hierbei sicherlich neben dem Businessplan auch eine Eigenkapitalausstattung.

Wie haben Sie die letzten Tage vor der «Übernahme» erlebt?

Die Tage waren durch organisatorische Aktivitäten, Personalgespräche und nicht zuletzt durch die Regelung persönlicher Angelegenheiten bestimmt. Und ein bisschen Aufregung war natürlich auch dabei. Idealerweise sollte man versuchen, sich einen gewissen zeitlichen Freiraum direkt vor dem «Neueinstieg» zu schaffen, um die wichtigsten Aspekte anhand einer zeitlichen Agenda abzuarbeiten und nicht in hektischen Aktionismus zu verfallen.

Und wie war der erste Tag in der eigenen Praxis?

Spannend, aber gleichzeitig auch ein normaler medizinischer Arbeitstag, denn vom ersten Augenblick an muss man vollkommen

für den Patienten da sein. Es war sicherlich ein Vorteil der Übernahme, dass das Netzwerk von Zuweisern bereits hervorragend funktionierte und dadurch sofort genutzt werden konnte. Unbedingt erwähnenswert ist an dieser Stelle auch die uneingeschränkte Unterstützung, die mir durch das bereits vorhandene Praxisteam zuteil wurde.

Wie beurteilen Sie die Situation jetzt nach über 1 1⁄2 Jahren?

Die Situation hat sich für das gesamte Praxisteam sehr positiv entwickelt. Die Zahl der Zuweiser hat auch überregional zugenommen, die Patientenzufriedenheit konnte weiter ausgebaut werden. Neben der Optimierung des medizin-technischen Standards wurde das Praxisteam personell aufgestockt, die interne Kommunikation wurde zielgerichtet und patientenorientiert verbessert. Als hilfreich hat sich auch der fachliche Austausch mit Spezialärzten und Kollegen des eigenen Fachgebietes in der Region erwiesen.

Was würden Sie heute anders machen?

Etwas weniger ambitionierte Ziele im Verhältnis zum Zeitfaktor setzen.

Was ist das Geheimnis Ihres Erfolges?

Die Übernahme einer sehr gut geführten Praxis spielt hierbei eine entscheidende Rolle. Des Weiteren ist es unabdingbar, sich mit den lokalen Gegebenheiten vertraut zu machen, das Gespräch und den Kontakt zur lokalen Bevölkerung durchaus auch mal ausserhalb der Praxis zu pflegen. Nicht zu vergessen sei die familiäre Unterstützung.

Was würden Sie Ihren Kollegen, welche den Schritt in die Selbstständigkeit noch vor sich haben, mit auf den Weg geben?

Neben exzellentem medizinischem Fachwissen spielen Kenntnisse in der betriebswirtschaftlichen und personellen Führung eines selbständig geführten Unternehmens eine massgebliche Rolle. Jeder, der so einen Schritt in Erwägung zieht, sollte sich diesbezüglich vorbereiten und ein Beratungsteam auch schon bei der Praxissuche heranziehen.

Herr Professor Pfister, vielen herzlichen Dank für das Interview.