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Kieferorthopädie aus Leidenschaft – den Traum der Selbstständigkeit zu zweit an zwei Standorten realisiert

Dres. med. dent. Egger haben 2016 in Schaffhausen und 2018 in Winterthur je eine Praxis für Kieferorthopädie übernommen. Im nachstehenden Interview berichten sie uns, wie sie die Vorbereitungs- und Aufbauphase erlebt und welche Zukunftsaussichten sie haben.

Sie führen zwei kieferorthopädische Praxen in Schaffhausen und Winterthur. Welche positiven und negativen Erfahrungen durften Sie bei der Übernahme der Praxen sammeln?
Als positiv haben wir die Patientenübergabe durch unsere Vorgänger empfunden. Die Patienten wurden in beiden Fällen persönlich und frühzeitig über die Praxisübergabe informiert. Dies hat die Akzeptanz und das Verständnis bei den Patienten stark beeinflusst. Die Patienten ihrerseits haben uns von Anfang an ein sehr hohes Vertrauen entgegengebracht, dies war ebenfalls eine positive Erfahrung und wir hätten nicht damit gerechnet. Bei der ersten Praxis, die wir übernommen haben, waren keine Anfangsinvestitionen notwendig. Wir konnten die Praxis übernehmen und direkt arbeiten, sogar Verbrauchsmaterial war vorhanden. Das war für uns ein sehr grosser Vorteil. Ebenfalls positiv zu erwähnen ist die professionelle Begleitung, die wir durch FEDERER & PARTNERS erhalten haben. Diese hat uns und unseren Praxisvorgängern Sicherheit gegeben, dass alles korrekt abläuft und wir an alle wichtigen Punkte denken. Bei der Übernahme der zweiten Praxis haben wir uns für einen Praxisumzug entschieden, der mit einem Umbau verbunden war. Wir hatten auch bei diesem Projekt eine lange Vorlaufzeit und uns intensiv mit der Planung auseinandergesetzt. Leider war der Bau am Ende aber dennoch sehr stressig und zeitlich knapp. Dies würden wir als negative Erfahrung konstatieren.

War eine Praxisneueröffnung nie eine Option für Sie?
Eine Praxisneueröffnung wäre für uns finanziell zu risikoreich gewesen (höheres Eigenkapital erforderlich). Da wir aus Deutschland ausgewandert sind, gab es schon diverse unbekannte Komponenten. Wir kannten zum Beispiel das Schweizer Gesundheitswesen nicht, daher haben uns der bestehende Patientenstamm, eine Praxis mit einer gewissen Struktur und definierten Abläufen und ein kleineres finanzielles Risiko Sicherheit gegeben.

War es für Sie beide von Beginn her klar, gemeinsam eine Praxis zu führen?
Ja, das war schon immer der Plan. Wir haben bereits im Studium alles zusammen gemacht, speziell im klinischen Teil der Ausbildung, und gesehen, dass wir als Team stets gut funktioniert haben. Bei der Praxis in Winterthur haben Sie einen Standortwechsel vollzogen.

Wie kam es dazu? War es schwierig, geeignete Räumlichkeiten am gewünschten Standort zu finden?
Die Räumlichkeiten und die Infrastruktur der Praxis waren veraltet. Dies hätte nicht zu unserer anderen Praxis gepasst und wäre mit dem dortigen System nicht kompatibel gewesen. Ausserdem hätten wir in den damaligen Räumlichkeiten die heutzutage geltenden behördlichen Auflagen nicht erfüllen können. Es wäre fragwürdig gewesen, ob unser Baugesuch bewilligt worden wäre. Ein weiterer Punkt war, dass wir nicht sicher waren, wie es mit der Immobilie weitergehen wird und ob wir langfristig an diesem Standort hätten bleiben können. Es waren zu viele Unsicherheiten mit diesem Standort verbunden. Da es unser Ziel war, im selben Quartier zu bleiben, war die Suche schwierig. Unsere heutige Praxis befindet sich auf einem Areal, das neu gebaut wurde. Der Bau erfolgte sehr schnell und es benötigte viel Vorstellungsvermögen, da wir die ersten gewerblichen Mieter waren. Das Areal hat sich aber sehr gut entwickelt und ist heute sehr belebt.

Wie unterscheidet sich Ihr Berufsalltag als Praxisinhaber von Ihren vorgängigen Tätigkeiten?
Der Berufsalltag als Praxisinhaber ist geprägt von mehr Selbstbestimmung. Diese zeigt sich einerseits bei den zahnmedizinischen Behandlungen, aber auch bei der Einteilung von Arbeitszeit, Freizeit und Ferien. Die Einkommenssituation ändert sich als Praxisinhaber, man hat mehr Verantwortung und muss vor allem zu Beginn mehr Zeit für die Arbeit investieren. Man muss sich mit vielen neuen Themen wie zum Beispiel Personalführung, wirtschaftlichen Fragen, Technik etc. beschäftigen. Uns hat das Spass gemacht, aber vielleicht ist es nicht jedermanns Sache.

Welche Erfahrungen haben Sie beim Rollenwechsel vom Angestellten zum Vorgesetzten gesammelt?
Das Thema Führung wird im Rahmen eines Zahnmedizinstudiums nie thematisiert und war zu Beginn eine Herausforderung. Zunächst ist man unsicher, lässt viel durchgehen und dem Personal sehr viel Freiraum. Regeln und Rahmenbedingungen zu setzen ist aber wichtig und gibt dem Personal auch Sicherheit. Wir haben festgestellt, dass zu viel Freiraum die Leute durchaus vor den Kopf stossen kann. Am Anfang unserer Praxistätigkeit haben wir uns sehr stark auf die Organisation, die Patientenzufriedenheit und die Qualität der Behandlungen fokussiert und das Personal war dabei eher im Hintergrund. Wir haben schnell gemerkt, dass die Personalführung konsequent und aktiv erfolgen muss, und dies geändert.

Wie bringen Sie die beiden Praxen und Ihr Privatleben unter einen Hut?
Dies ist eine grosse Herausforderung, da wir sehr schnell gewachsen sind. Wir müssen alles sehr bewusst organisieren und im privaten Bereich auf Hilfe zum Beispiel im Haushalt, bei den Kindern etc. zurückgreifen. Zudem muss man teilweise familiär etwas zurückstecken können, zumindest eine Zeit lang – wenn auch ungern.

Gibt es Punkte in Bezug auf die Praxisübernahmen, die Sie heute anders machen würden?
Nein, wir würden es wieder genauso machen.

Sie haben sich sehr früh in die berufliche Selbstständigkeit gewagt. Was ist das Geheimnis Ihres Erfolges?
Zum einen, sich früh mit dem Thema zu beschäftigen. Wir haben uns schon im Studium mit dem Thema Selbstständigkeit auseinandergesetzt. Zum anderen ist es wichtig, es dann auch zu machen. Mut haben, etwas zu tun, und bereit sein, einen unkonventionellen Weg zu gehen. Wir waren sehr offen und nicht auf einen Standort fixiert, das war sicher sehr hilfreich. Ausserdem war es für uns einfacher, da wir ein gemeinsames Ziel hatten und sich kein Ehepartner unterordnen oder unfreiwillig verändern musste. Ein weiterer, wichtiger Tipp ist, auf das eigene Bauchgefühl zu hören und bei der Realisation eines Projektes nicht zu lange zu warten.

Welche Entwicklungen und Trends sehen Sie in der Kieferorthopädie?
Die Digitalisierung ist ein grosses Thema in der Kieferorthopädie und sie verändert den Arbeitsalltag. Es gibt immer mehr neue Player/Mitbewerber auf dem Markt, in Form von grossen Ketten und Zusammenschlüssen, weniger kleine Praxen. Es sind im Allgemeinen mehr Anbieter und der Konkurrenzdruck ist grösser geworden.

Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?
Unser Ziel ist es, die Praxen, die wir haben, weiterhin erfolgreich zu führen, die Qualität auf dem hohen Niveau zu halten und mit der Zeit zu gehen. Wir versuchen, neue Technologien zu lernen, einzubinden und unsere Praxis noch effizienter zu organisieren. Dafür haben wir eine Praxismanagerin eingestellt, um in diesem Bereich Entlastung zu bekommen.

Was würden Sie Ihren Kollegen, die den Schritt in die Selbstständigkeit noch vor sich haben, mit auf den Weg geben?
Man soll sich professionelle Unterstützung holen. Viele Punkte kann man selbst nicht überblicken. Eine professionelle Begleitung gibt sowohl dem Käufer als auch dem Verkäufer der Praxis Sicherheit. Selbstinitiative ergreifen und sich mit Themen auseinandersetzen, auch wenn einen nicht alles interessiert (z. B. unternehmerische Punkte, standespolitische Themen etc.). Wenn man Kontakte zu Bekannten hat, die bereits eine Praxis führen, diese fragen, welche Erfahrungen sie sammeln durften und wie die Abläufe funktionieren.

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