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In der Ruhe liegt die Kraft – entspannte Praxisübergabe mitten in der Corona-Pandemie

Dr. med. dent. Jürg Tobler wird seine Praxis für Zahnmedizin, die er in Form einer Aktiengesellschaft führt, an Dr. med. dent. Michael Kuster übergeben. Wie die beiden Zahnärzte den Prozess der Praxisübergabe in Zeiten von Corona erlebt haben, erzählen sie uns im Interview.

Dr. med. dent. Jürg Tobler
Dr. med. dent. Michael Kuster

Herr Doktor Tobler, war es für Sie schwierig, einen geeigneten Nachfolger für Ihre Zahnarztpraxis zu finden? Wie haben Sie den Prozess der Nachfolgeregelung vorbereitet?
Jürg Tobler: Eine Nachfolgeregelung ist ein Projekt, das die meisten nur einmal im Leben planen müssen. Also fehlen die Kompetenz und die Erfahrung. Ich habe deshalb einige Informationsabende von spezialisierten Anbietern besucht, um mir Wissen anzueignen. Nach diesen Seminaren habe ich den Entschluss gefasst, nicht zu versuchen, langfristig einen Nachfolger aufzubauen. Dazu stand fest, dass ich den Prozess auf jeden Fall mit professioneller Hilfe angehen würde. FEDERER & PARTNERS war von Beginn an transparent betreffend Leistungen und Kosten. Deshalb habe ich diese Firma gewählt.

Herr Doktor Kuster, warum haben Sie sich für die Übernahme einer bestehenden Praxis entschieden im Gegensatz zu einer Praxisneueröffnung?
Michael Kuster: Zum Zeitpunkt des Kaufentscheids war ich ungefähr ein Jahr bereits Teil des Teams und hatte mir bis dorthin nie Gedanken über eine Praxisneueröffnung gemacht. Als die Nachfolgeregelung konkret wurde, war für mich schnell klar, dass ich diese Praxis mit ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weiterführen möchte.

Herr Doktor Tobler, Sie haben Ihre Praxis in Form einer Aktiengesellschaft geführt. War die Praxisübergabe dadurch komplexer für Sie und Herrn Kuster?
Jürg Tobler: Wir haben im Vorfeld reichlich recherchiert, um den Marktpreis einer Zahnarztpraxis abschätzen zu können. Die Aktiengesellschaft vereinfacht schliesslich die Übergabe, indem die Aktien unkompliziert auf den Käufer übertragen werden können. Also gehen an einem bestimmten Datum alle Aktiven und Passiven auf den Nachfolger über. Er übernimmt alle offenen Rechnungen und alle Guthaben. Und der Erlös aus dem Verkauf der Aktien ist für mich steuerfrei.

Michael Kuster: Die Übernahme einer grösseren Aktiengesellschaft hat sich als deutlich komplexer herausgestellt. Da ein Aktienkauf als Investition gilt und sich daher steuerlich nicht in Abzug bringen lässt, evaluierte ich die Option, die Aktiengesellschaft durch eine Holdinggesellschaft zu kaufen, um möglichst steueroptimiert zu amortisieren. Anschliessend verlangte die Gründung dieser Holding einige juristische Abklärungen und somit auch Zeit.

Oft hört man im Rahmen von Nachfolgeregelungen von persönlichen Konflikten, Generationenunterschieden etc. Welche Erfahrungen haben Sie beide damit gemacht?
Jürg Tobler: «Es führen viele Wege nach Rom» ist ein bekanntes Sprichwort. Ich habe meine Praxis so geführt, wie ich es richtig fand – und auch einige Fehler gemacht. Michael Kuster kenne ich über zwei Jahre, in denen wir gut zusammengearbeitet haben. Wenn er nichts ändern würde und keine eigenen Ideen hätte, dann wäre er nicht der richtige Nachfolger – ein gewisses Selbstbewusstsein braucht man schon, wenn man eine Praxis führen will. Aber ich werde ihn gerne unterstützen, wenn er mich um meine Meinung fragt.

Michael Kuster: Bisher hatten wir keine persönlichen Konflikte. Im Gegenteil, die angenehme Zusammenarbeit möchten wir auch in Zukunft fortsetzen.

Welchen Einfluss hatte die Corona-Pandemie auf den Prozess der Praxisübergabe?
Michael Kuster: Die Pandemie hat den Verkaufszeitpunkt nicht verzögert, jedoch beschlossen wir, die Verkaufsgespräche während des ersten Lockdowns zu pausieren. Zu diesem Zeitpunkt war die finanzierende Bank bereits gewählt, weshalb ich die Zeit vor allem für die Neugründung der Holdinggesellschaft nutzte.

Jürg Tobler: Die beinahe vollständige Schliessung der Klinik für viele Wochen hatte eine lähmende Wirkung. Unter diesen Umständen wollte ich keinen Verkaufsvertrag unterschreiben. Wir wussten, dass wir den Taxpunktwert erhöhen sollten, haben es aber mit Rücksicht auf unsere Kundinnen und Kunden nicht getan. Als wir dann Ende des Jahres sahen, dass unsere Umsätze stabil geblieben sind, konnten wir den Kaufvertrag mit gutem Gewissen unterschreiben.

War es schwierig für Sie, Herr Doktor Kuster, einen Bankkredit für die Praxisübernahme zu bekommen?
Michael Kuster: Nein, ich konnte unter verschiedenen Offerten wählen und empfehle auch, Gespräche mit verschiedenen Banken zu führen.

Welche Schritte werden Sie bis zur Praxisübergabe bzw. Praxisübernahme noch erledigen?
Michael Kuster: Der Fokus liegt nun auf einem nahtlosen Übergang im Sommer 2021, gefördert durch schrittweisen Miteinbezug in die täglichen Prozesse von Jürg Tobler.

Jürg Tobler: Ich werde meinen Computer aufräumen, das Private vom Geschäftlichen trennen. Und einige Ordnerablagen besser beschriften, damit mein Nachfolger die entsprechenden Dokumente findet. Und wir hoffen, dass wir ohne Corona-Einschränkungen ein Abschlussfest mit allen Mitarbeitenden feiern dürfen!

Was würden Sie heute anders machen beim Prozess der Praxisübergabe bzw. Praxisübernahme?
Jürg Tobler: Nichts. Wir hatten mehrere Gespräche mit FEDERER & PARTNERS, mit dem Treuhänder und Anwalt, sodass wir jeden Schritt gezielt wählen konnten.

Michael Kuster: Ich würde die Übergabe zum ordentlichen Jahresabschluss terminieren, da es den Prozess wesentlich vereinfacht. Bei Übergabe per Mitte Jahr muss eine Zwischenbilanz erstellt werden, die alle Kosten und Erträge des Jahres per Eigentümerwechsel abgrenzt. Versicherungen, Steuern, Mitarbeiterferien, dreizehnte Monatslöhne, Überstunden sind da als Beispiele zu nennen.

Was würden Sie Ihren Kollegen, die den Schritt der Praxisübergabe bzw. Praxisübernahme noch vor sich haben, mit auf den Weg geben?
Jürg Tobler: Sie sollten früh eine GmbH oder Aktiengesellschaft gründen und diesen Schritt nicht ohne eine erfahrene Unternehmensberatung durchführen. Eine eigene Klinik bedeutet einen Schritt in die wirtschaftliche Selbstständigkeit. Die Tätigkeit als Zahnärztin oder Zahnarzt ist anspruchsvoll, facettenreich und bereitet auch durch den Patientenkontakt viel Freude. Sie ist aber zugleich von einer hohen Arbeitsbelastung und grossen Verantwortung geprägt. Als selbstständige Unternehmer sind sie für den Erfolg oder Misserfolg ihrer Aktivitäten direkt verantwortlich. Ein gutes Zeit- und Ressourcenmanagement sowie genügend Selbstreflexion sind deshalb von Beginn an elementar. So wird auch ein effizientes und belastungsreduziertes Arbeiten möglich.

Michael Kuster: Ich bin der Auffassung, dass man der Schmied seines eigenen Glückes ist. Die erfolgreiche Praxisführung bedingt, anspruchsvolle Arbeit im täglichen Leben als Zahnarzt sowie in der Jahresperformance als Unternehmer zu leisten. Dies empfinde ich als eine lohnenswerte Lebensaufgabe und denke, es geht auch vielen anderen so. Bei Konkretisierung einer Übernahme ist sicherlich die Evaluierung einer Holdinggesellschaft empfehlenswert. Ausserdem würde ich nicht nur regional niedergelassene Banken anfragen, sondern durchaus auch interkantonal schauen.

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