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Dr. med. Nils Bollinger

Durch Zufall auf die Traumpraxis gestossen – Übernahme der Familien- und Notfallpraxis in Schübelbach.

Herr Doktor Bollinger, Sie haben im Frühjahr 2019 die Familien- und Notfallpraxis in Schübelbach übernommen. Warum haben Sie sich für eine Praxisübernahme und nicht für eine Neueröffnung entschieden?
Ich hatte schon früh vor, mich selbstständig zu machen, und hatte Ende 2018 angefangen, mich umzuschauen. Auf die Praxis bin ich durch Zufall gestossen, da ein Kollege von mir dort als angestellter Arzt gearbeitet und mir von der Praxis erzählt hatte. Was er berichtete, konnte ich mir zunächst gar nicht vorstellen und musste mir persönlich ein Bild davon machen. Das Besondere an der Praxis war und ist, dass eine Verbindung geschaffen wird zwischen Hausarztmedizin und Notfallmedizin. Das war für mich als Arzt besonders spannend, denn ich habe in Spitälern schon immer gerne auf Notfallstationen gearbeitet, hatte aber nicht vor, fest als Notfallarzt tätig zu bleiben, denn am Notfall nicht so gut gefallen hat mir, dass man die Patienten nur sehr kurz sieht und nicht nachverfolgen kann, wie es ihnen weiter ergeht. Andererseits wollte ich kein klassischer Hausarzt werden, denn hier ist es im Gegenteil so, dass man die Patienten über eine sehr lange Zeit immer wieder sieht, aber oft nur sehr wenig passiert. Unsere Praxis verbindet beides optimal. Zum einen hat man die Chance, medizinische Notfälle zu behandeln und auch eine sehr tiefe Diagnostik zu betreiben, und auf der anderen Seite bietet die Hausarztmedizin eine konstante Basis in Bezug auf die Patientenbetreuung, die Arbeitszeiten sowie das Arbeitstempo. Es ist nicht wie auf einer Notfallstation, dass man eine Weile keine Patienten hat und dann auf einmal kommen sehr viele, sondern man hat stets konstant geplante Termine und zusätzlich Notfälle. Das macht die Arbeit viel angenehmer. Ich habe die Praxis übernommen, weil mir das Konzept gefallen hat. Eine Neueröffnung war aus diesem Grund unnötig, denn das Konzept dieser Praxis war für mich schon ausgereift. Da ich die Gelegenheit erhielt, die Praxis so zu übernehmen, habe ich diese natürlich ergriffen.

Sie haben sich direkt nach Ihrer Spitaltätigkeit für die Übernahme einer grösseren Praxis entschieden und nicht für eine Einzelpraxis. Hatten Sie keine Angst vor der grossen Verantwortung? Immerhin haben Sie die Verantwortung für mehrere ärztliche und medizinische Mitarbeiter zugleich übernommen.
Doch, natürlich hatte ich Angst und habe mich zu Anfang mehrmals gefragt, ob ich das machen soll. Ich hatte die ursprüngliche Übernahme zusammen mit dem Kollegen geplant, den ich schon erwähnt habe. Ihm war letzten Endes dann das Risiko zu gross, direkt nach der klinischen Tätigkeit eine Praxis dieser Grösse mit mehreren Mitarbeitenden und einem enorm grossen Patientenstamm zu übernehmen. Als er abgesprungen ist, war ich plötzlich mit der Übernahme und auch dem grossen Investment alleine, was mich nachdenklich gemacht hat. Es gab Tage, da habe ich gezweifelt, ob ich dieses Projekt bewältigen kann. Aber ich wollte mir unbedingt etwas aufbauen und die Praxis hat mir sehr gut gefallen, also habe ich mich entschieden, das Projekt durchzuziehen. Leicht war es auf keinen Fall, aber die Arbeit hat sich sehr gelohnt. Ein zweites Mal hätte ich die Energie allerdings nicht, sodass ich wirklich froh bin, dass mir dieses Projekt gelungen ist.

Warum haben Sie sich ausgerechnet in Schübelbach niedergelassen?
Das ist dem Zufall geschuldet. Wäre ich nicht auf diese Praxis aufmerksam geworden, dann wäre ich sicher an einem anderen Ort gelandet. Inzwischen bin ich aber sehr froh, hier zu sein, denn die Region ist einfach wunderschön und gewährt zahlreiche Möglichkeiten. Der Hauptgrund, warum die Praxis in Schübelbach so gut funktioniert, ist, dass diese Region medizinisch unterversorgt war. In der Nähe befinden sich zwar kleine Spitäler mit Notaufnahmen, aber direkt hier vor Ort gibt es einen Ärztemangel insbesondere in der Hausarztmedizin. Die nächsten Spitäler bieten mit ihren klassischen Notaufnahmen zwar eine Versorgung an, allerdings liegen die Wartezeiten hier bei vielen Stunden. Dies ist für uns ein optimaler Ort, um als Notfall- und Hausarztpraxis eine gute Patientenversorgung zu ermöglichen. So haben wir uns
einen Patientenstamm von inzwischen gut 20 000 Personen aufgebaut, wobei man dazu sagen muss, dass nicht alle Patienten auch Hausarztpatienten bei uns sind.

Wie haben Sie das Projekt Praxisübernahme vorbereitet?
Projektvorbereitung hat in dem Fall bedeutet, dass ich mich zunächst mit allen Zahlen der Praxis vertraut gemacht habe. Anschliessend wurde ein Übernahmeangebot mit den damaligen Inhabern ausgearbeitet. Natürlich hat mich FEDERER & PARTNERS schon damals gut beraten und diese Übernahme begleitet. Zudem habe ich mir einen Monat frei genommen, zum ersten Mal in meiner Karriere, und habe mich auf die konkrete Übernahme vor Ort vorbereitet. In dieser Zeit habe ich Gespräche mit Banken geführt, die Finanzierungsstruktur aufgesetzt, einen Businessplan geschrieben, Partner gefunden und den Grundstein für meine Tätigkeit hier gelegt. Ohne diesen Prozess und die gute Beratung wäre die Übernahme wahrscheinlich nicht so erfolgreich verlaufen.

War es schwierig, für die Praxisübernahme einen Bankkredit zu bekommen?
Ehrlich gesagt eigentlich nicht. Einen Bankkredit zu bekommen war einfach, aber ich wollte diesen ohne Privathaftung. Das war eine Herausforderung und ich habe hierzu verschiedene Szenarien entwickelt, einen ausgereiften Businessplan vorgelegt und zusammen mit einem Partner, der selbst im Management einer international tätigen Firma arbeitet, alles gut vorbereitet. Die Prüfung meiner Vorbereitungen durch FEDERER & PARTNERS hat der Bank schlussendlich die notwendige Sicherheit gegeben, sodass sie Vertrauen in das Projekt gewonnen und den Kredit genehmigt hat.

Wie war Ihr erster Tag in der eigenen Praxis?
Zunächst überwältigend, da anfangs so viele Eindrücke auf einen einwirken. Es ist nicht nur, dass man die eigenen Prozesse der Praxis, neue Medikamente und neue Behandlungstechniken kennenlernt, sondern auch das Arbeitsumfeld ist ja ein neues. Dazu kam ich noch als zukünftiger Chef und ich hatte ausserhalb des Spitals noch nicht viel in Praxen gearbeitet und brauchte zu Beginn viel Nachhilfe von Kollegen und dem Praxisteam, um herauszufinden, wie der Hase läuft. Also war es die ersten zwei Wochen überwältigend und gleichzeitig spannend. Ausserdem habe ich trotz aller Vorbereitung nicht geahnt, wie viel Tiefe die Praxis mit den vielen Abklärungen, die wir selbst durchführen, doch hat. Alle Diagnostik, die wir anbieten, muss natürlich ausgewertet und in Konsequenzen übersetzt werden, was eingangs eine grosse
Lernbereitschaft vorausgesetzt hat.

Wie beurteilen Sie die Situation jetzt nach über zwei Jahren?
Im Moment steht die Praxis besser da denn je. Die Covid-Zeit war anfangs für uns aber sehr schwer, da wir als Notfallpraxis erster Ansprechpartner waren, sodass wir uns viel einfallen lassen mussten. Wir haben einen offenen Wartebereich geschaffen, in dem Patienten geschützt, aber an der frischen Luft in einer Art belüftetem Wintergarten warten können, und haben ein Covid-Zelt entwickelt, in dem wir potenziell und bekannt infektiöse Patienten behandeln und abseits der anderen Patientenströme leiten können. Jetzt, wo diese Strukturen stehen, hat uns das neues Renommee gegeben und auch neue Patienten gebracht, die Impfungen, Behandlungen und Covid-Tests erhalten haben und nun zu uns wechseln. Am schwersten ist es nach wie vor, gutes medizinisches Personal zu bekommen. Da wir hier auf dem Land sind, können sich die Menschen meist nicht vorstellen, was wir hier machen und dass es eine Praxis wie unsere überhaupt gibt. Wir haben bei unseren Patienten einen Altersdurchschnitt von vierzig Jahren, haben junge Menschen, Kinder etc. bei uns. Wir behandeln Notfälle, Schnittwunden, führen elektive Operationen durch, machen Abklärungen auch in die Tiefe und sind in ein sehr gutes Netzwerk aus Spezialisten eingebettet, mit denen wir zusammenarbeiten. Speziell zu nennen sind hier Dr. Speck, ein sehr guter Orthopäde aus dem Spital in Einsiedeln, und Dr. Franzen, ein sehr guter Kardiologe und Interventionalist aus der Hirslanden Klinik im Park. Wir betreuen zahlreiche Patienten zusammen und sind eng verzahnt. Die Arbeit ist sehr spannend und keiner ahnt, wie interessant sie ist und wie sehr man sich bei uns selbst verwirklichen und weiterentwickeln kann. Zudem ist der Verdienst sehr gut. Auch ich hätte das nicht geglaubt, wenn ich die Praxis nicht durch Zufall kennengelernt hätte. Ich kann nur jedem anbieten, die Praxis kennenzulernen und vorbeizukommen, um sich selbst ein Bild zu machen, wie eine moderne Praxis heute aussehen kann.

Sie sind aktuell auf der Suche nach weiteren ärztlichen Kolleginnen und Kollegen. Was spricht Ihrer Ansicht nach für eine Tätigkeit in der Familien- und Notfallpraxis Schübelbach? Wo sehen Sie die Vorteile gegenüber anderen Praxen bzw. Zentren?
Also als Erstes glaube ich, der grösste Vorteil ist, dass der Job sehr interessant ist und eine Kombination aus Hausarzt- und Notfallmedizin beinhaltet. Man hat einerseits Notfälle, die man erstmals sieht und direkt behandelt, und andererseits tiefe Abklärungen und Patienten, die man lange Zeit begleitet, da wir ausserdem Hausarztmedizin anbieten. Die Mischung aus Momentaufnahmen und langen Begleitungen mit interessanter Entwicklung ist bei uns einzigartig. Auch ermöglichen wir unseren Patienten sehr tiefe Abklärungen und verfügen über ein grossartiges Netzwerk. Wir können zudem jederzeit neue Spezialisierungen integrieren. Wenn beispielsweise ein Kollege als Internist und Pneumologe bei uns arbeiten möchte, könnte er jederzeit anfangen und einerseits eine internistische Sprechstunde führen, andererseits aber auch pneumologische Patienten betreuen. Wir haben sehr viele Möglichkeiten. Des Weiteren haben wir viel geregeltere Arbeitszeiten als im Spital. Wir haben nur tagsüber geöffnet, wenig Dienste, sehen aber trotzdem sehr spannende Fälle. Und dazu muss man sagen, dass man bei uns eine Art selbstständige Tätigkeit ausführt, ohne eine eigene Praxis aufmachen zu müssen. Dies liegt daran, dass wir eine hohe Gewinnschöpfung haben und alle ärztlichen Kollegen am Umsatz beteiligen können. So kann man mit Fixgehalt und Umsatzbeteiligung durchaus auf Gehälter kommen, die vergleichbar sind mit einer Tätigkeit in einer eigenen Praxis, ohne dabei aber den hohen administrativen Aufwand zu haben.

Wie ist Ihre Praxis strukturiert – muss eine neue Kollegin / ein neuer Kollege von Ihnen viele administrative Aufgaben übernehmen und sich darum kümmern oder bietet Ihr Team hier Hand?
Also eigentlich legt man sich bei uns ein wenig ins gemachte Nest, denn wir haben zahlreiche Fachkräfte, die sich um die administrativen Aufgaben wie Abrechnung, Zulassung etc. kümmern. Zudem ist FEDERER & PARTNERS als Beratungsunternehmen für uns da. Unser grosses, sehr gut strukturiertes MPA-Team sowie unser Praxismanagement nimmt den ärztlichen Kollegen viel Arbeit ab und coacht die Kollegen, soweit es geht auch hinsichtlich neuer Abläufe. Neue Kollegen können sich direkt auf ihre ärztliche Tätigkeit konzentrieren und sich in medizinische Standardprozesse und Therapien einarbeiten. Selbstverständlich muss man sich in die Abrechnung ein wenig einlesen, um selbst seine durchgeführten Leistungen abrechnen zu können, aber auch hier erhalten neue Kollegen Hilfe.

In Ihrem Praxisnamen ist die Rede von einer Notfallpraxis. Können Sie näher erläutern, was darunter zu verstehen ist?
Bei uns ist es so, dass wir aktuell in einem Permanence-System arbeiten, bei dem wir auch bleiben werden. Früher wurde die Praxis im 24-Stunden-Dienst geführt, inzwischen haben wir aber feste Arbeitszeiten, in denen Notfälle behandelt werden und natürlich stets kommen können. Man muss sich gut strukturieren und unter den Kollegen absprechen, da Notfälle ungeplant eintreffen. Viel los ist immer mal, da geplante Patienten und Notfallpatienten da sind, aber durch unser System müssen Patienten bei uns selten lange warten und unsere Ärzte können abends relativ pünktlich Feierabend machen. Wir arbeiten morgens ab 8 Uhr und abends wechseln wir uns innerhalb des Kollegiums ab, sodass ein Arzt immer bis 20 Uhr bleibt und alle anderen um 18 Uhr Feierabend haben. Zusätzlich leisten wir sogenannte March-Dienste. Das sind Notfalldienste des Bezirks March, die jeder Hausarzt hier übernehmen muss. Dabei ist man primärer Ansprechpartner für alle Notfälle in der Region March, die etwa 80 000 Einwohner umfasst. Dieser Dienst findet circa ein bis zwei Mal pro Monat für jeden unserer Kollegen statt, ist aber kein Vor-Ort-Dienst und nicht spezifisch für unsere Praxis.

Was würden Sie heute anders machen?
Ich glaube, ich hätte bei der Übernahme wesentlich weniger Energie benötigt, wenn ich eine kleinere Praxis übernommen oder einen Partner gehabt hätte. Als erstes Projekt so eine grosse und aufwendige Praxis zu realisieren, kostet tatsächlich viel Kraft. Zudem habe ich inzwischen viel gute Hilfe, beispielsweise eine gute Praxismanagerin, was mir das Arbeiten nicht nur erleichtert, sondern auch mehr Spass bringt. Hier habe ich zu lange gezögert, eigenes Personal einzustellen. Anfangs habe ich zahlreiche alte Strukturen und Mitarbeiter übernommen, die schon lange in der Praxis gearbeitet haben, bei denen ich mit der Zeit aber gemerkt habe, dass diese nicht auf mich optimiert sind. Diese Optimierung hat mir inzwischen viele Vorteile gebracht.

Was ist das Geheimnis Ihres Erfolges?
Das Geheimnis des Erfolges der Praxis ist die Mischung der angebotenen Leistungen. Notfälle werden gut behandelt und zusätzlich wird Hausarztmedizin angeboten. Wir überweisen Patienten selten an Spezialisten, da wir tiefe Abklärungen selbst durchführen können. Zudem bieten wir eine schnelle Akutversorgung, sodass Patienten sich in jeder Lage gut behandelt fühlen. Das wissen unsere Patienten sehr zu schätzen, weshalb so viele gerne bei uns bleiben.

Was würden Sie Ihren Kollegen, die den Schritt in die Selbstständigkeit noch vor sich haben, mit auf den Weg geben?
Nehmt euch früh genug Hilfe. Ich habe im Nachhinein festgestellt, dass es besser gewesen wäre, noch früher Hilfe anzunehmen. Auch Hilfe, wie sie beispielsweise FEDERER & PARTNERS bietet, bringt enormen Mehrwert. Es gibt auf dem Weg zur Selbstständigkeit so viele Baustellen, die man bearbeiten muss, dass ein Netzwerk aus Menschen, denen man vertrauen kann, unerlässlich ist. Nur so werden letztendlich kompliziertere Projekte möglich. In Zukunft würde ich mir nicht mehr ein Projekt und dazu dann die Partner suchen, sondern zuerst die vertrauenswürdigen Partner und anschliessend ein passendes Projekt.

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