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Dr. med. Markus Bleichenbacher

Herr Dr. med. Markus Bleichenbacher, Facharzt FMH für Gynäkologie und Geburtshilfe, hat ihm Jahr 2012 eine Praxis für Gynäkologie und Kinderwunsch in Bern übernommen. Wie er diesen Schritt erlebte und welches Fazit er nach gut fünf Jahren zieht, schildert Herr Doktor Bleichenbacher im folgenden Interview.

Herr Doktor Bleichenbacher, warum haben Sie sich für eine Praxisübernahme und nicht für eine Eröffnung entschieden?
Die Übernahme einer Praxis ermöglichte mir als Subspezialist den Einstieg in ein Netzwerk mit Zuweisern in einer fremden Stadt. Aus privaten Gründen war es mir wichtig, dass ich ohne Unterbruch weiterarbeiten konnte und keine grossen Einkommenslücken hatte. Nicht zuletzt hatte ich den Eindruck, es würde von verschiedenen Seiten gewünscht, dass die Praxis mit der bestehenden Subspezialität weitergeführt wird. Ich bin überzeugt, dass die Übernahme jedenfalls von Patientenseite überwiegend sehr geschätzt wurde.

Warum haben Sie sich ausgerechnet in Bern niedergelassen?
Bern ist eine schöne Stadt, die Lebensqualität erachte ich nach wie vor als gut. Eigentlich aber war es ein Zufall, dass zum richtigen Zeitpunkt das Angebot für diese Praxisübernahme in Bern kam. Ich war zuvor jahrelang in leitender Position am Luzerner Kantonsspital tätig und wollte nicht konkurrenzieren, was ich jahrelang mitaufgebaut hatte. Der Zufall wollte es, dass gleichzeitig die Einsicht kam, jetzt sei es Zeit für einen Wechsel, und ich von dieser wunderschönen Praxis in Bern hörte.

War für Sie eine Gemeinschaftspraxis nie ein Thema? Warum?
In der Praxis vermisse ich die täglichen Gespräche unter Kollegen, anlässlich der Rapporte, aber auch informell. Ich bin deshalb froh, in ein Belegarztspital eingebunden zu sein und neue gute Kontakte gefunden zu haben. Gleichzeitig schätze ich es, in der Praxis die alleinige Endverantwortung und Entscheidungsgewalt zu tragen. An einem Spital eine Chefarztfunktion im Jobsharing auszuüben, hätte ich mir sehr gut vorstellen können, die Aufteilung der Verantwortung für Patienten, beispielsweise interdisziplinär, hat meines Erachtens immer gut funktioniert und funktioniert auch im aktuellen Setting. Die Verantwortung für ein so kleines, aber selbstständiges Unternehmen wie eine Arztpraxis aufzuteilen, kann ich mir jedoch immer noch nicht vorstellen. Eine Zusammenarbeit im Rahmen gemeinsamer Infrastrukturnutzung oder die Anstellung einer fachlich selbstständigen Kollegin bzw. eines Kollegen hingegen könnte für mich durchaus eine Bereicherung darstellen.

Wie haben Sie das Projekt Praxisübernahme vorbereitet?
Es war eine arbeitsintensive Zeit damals, ich arbeitete bis zum letzten Tag am Luzerner Kantonsspital weiter und stand kurz vor dem Abschluss meines Masterstudiums in Clinical Embryology an der University of Leeds. Um die Unterstützung durch die Unternehmensberatung FEDERER & PARTNERS war ich deshalb sehr froh. Zeit investierte ich in die Auswahl eines Architekten und der Praxissoftware. Wichtig war mir auch eine gute Corporate Identity, glücklicherweise stiess ich auf Hampi Krähenbühl, der nicht nur ein schönes Design erstellt hat, sondern auch ausgezeichnete Ideen hatte. Einige Zeit beanspruchte die Programmierung der Webseite, die ich initial selber erstellt habe. Die Praxisassistentinnen konnte ich glücklicherweise übernehmen, alles Vertragliche wurde durch FEDERER & PARTNERS vorbereitet.

War es schwierig, im Fall einer Praxisübernahme einen Bankkredit zu bekommen?
Nein, ich konnte aus mehreren Offerten die mir sympathischste auslesen. Allerdings waren meine Anfragen von einem professionellen Businessplan, den FEDERER & PARTNERS für mich erstellt hatte, begleitet.

Wie haben Sie die letzten Tage vor dem Einstieg erlebt?
Es waren eigentlich ganz normale Arbeitstage. Die administrativen und organisatorischen Vorbereitungen waren abgeschlossen, in der Praxis waren die Handwerker mit kleinen Umbauten beschäftigt. Mein Vorgänger hatte noch bis zwei Wochen vor der Übergabe gearbeitet, sodass keine grosse Vakanz zu überbrücken war. Die ersten Anfragen von Patientinnen erledigte ich via E-Mail.

Und wie war der erste Tag in der eigenen Praxis?
Wir hatten bewusst mehr Zeit als üblich für eine Patientin einberechnet und auch Lücken eingeplant, damit die praxisinternen Abläufe laufend diskutiert und angepasst werden konnten. Ich freute mich über jede noch so kleine Entscheidung, von der ich wusste, es gab niemanden, der sie wieder umstossen könnte.

Wie beurteilen Sie die Situation jetzt nach fünf Jahren?
Vieles kam anders als gedacht. Kooperationen, mit denen ich fest gerechnet hatte, kamen nicht zustande. Glücklicherweise war ich mental auf diese Eventualität vorbereitet, es eröffneten sich neue Möglichkeiten, heute ist nach wie vor die Reproduktionsmedizin der Schwerpunkt meiner Praxis, die operative Gynäkologie ist aber, wie schon zu Luzerner Zeiten, ein weiterer wichtiger Schwerpunkt. Ich operiere einen Tag pro Woche am Lindenhof, wobei ich in der Regel die Zuweiser und Zuweiserinnen in die Operation und in die Betreuung der Patientin einbeziehe. In-vitro-Fertilisationen führe ich am Lindenhof durch. Da ich aber unabhängig bin, kann ich dennoch über Kontakte zu anderen Zentren im In- und Ausland immer die für die Patientin beste Lösung vorschlagen. Spass macht auch die Betreuung fremdsprachiger Patientinnen, viele französisch- und portugiesisch sprechende Patientinnen suchen mittlerweile meine Praxis auf.

Was würden Sie heute anders machen?
Ich glaube nicht, dass ich etwas wesentlich anders machen würde. Nicht alle Faktoren waren zum Zeitpunkt der Praxisübernahme bekannt, ich musste das Praxismodell den Gegebenheiten anpassen. Die Praxis sieht heute nicht so aus, wie ich es mir vor fünf Jahren vorgestellt hatte, aber dies waren Veränderungen, die sich im Laufe der Zeit ergeben haben und die letztlich das Unternehmen Praxis spannend machen. Ich bin sicher, die Zeit wird auch in den noch verbleibenden zehn bis fünfzehn Praxisjahren nicht stehen bleiben. Die Praxisräumlichkeiten sind gross genug, um einer Kollegin oder einem Kollegen einen Einstieg zu ermöglichen. Da ich selber nebst der Reproduktionsmedizin eher operativ-gynäkologisch orientiert bin, wäre ein Arzt oder eine Ärztin mit Interesse an Schwangerschaftsmedizin und Pränataldiagnostik eine gute Ergänzung.

Was ist das Geheimnis Ihres Erfolges?
Ich denke, wichtig war, dass ich flexibel und offen genug war, mich dem Markt und den unabänderlichen Rahmenbedingungen anzupassen. Dies war nur möglich dank breiter und solider
Berufserfahrung. Meine grosse zeitliche Verfügbarkeit und Sprachkenntnisse waren ausserdem hilfreich.

Was würden Sie Ihren Kollegen, die den Schritt in die Selbstständigkeit noch vor sich haben, mit auf den Weg geben?
Für mich war es der richtige Schritt zum richtigen Zeitpunkt. Man sollte sich aber schon bewusst sein, dass man ein gewisses Risiko eingeht, vor allem wenn Investitionen mit im Spiel sind, und dass der zeitliche Aufwand gross ist. Die Selbstständigkeit gestattet es aber, die eigenen Ideen und Visionen umzusetzen. Wichtig ist sicher eine gute Aus- und Weiterbildung, je nach Fachgebiet auch weitergehende Berufserfahrung.

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