Prof. Dr. med. Hans Zollinger-Kies &
PD Dr. med. Arno Frigg

Prof. Dr. med. Hans Zollinger-Kies

Facharzt FMH für Orthopädie Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
ehemaliger Praxisinhaber, Stadt Zürich

Herr Professor Zollinger, die aktuelle Ausgabe unseres Praxis-Bulletins beschäftigt sich mit dem Schwerpunktthema «Goodwill – eine Frage der Perspektive». Sie haben Mitte 2012 Ihre Facharztpraxis mit bester Reputation an Herrn PD Dr. med. Arno Frigg übergeben und dafür einen Goodwill erhalten.

Wie beurteilen Sie, als ehemaliger Praxisinhaber, die Diskussionen rund um die Bezahlung eines Goodwills?

Mit der Übergabe des eigenen Patientengutes an einen Nachfolger, der von auswärts kommend, einen eigenen Patientenstamm erst – in einem hart umkämpften Umfeld – mühsam erarbeiten müsste, ermögliche ich diesem erst einen effizienten Existenzaufbau. Dass dieser Umstand angemessen entschädigt werden soll, scheint mir korrekt.

Konnten Sie sich mit Herrn Doktor Frigg rasch bezüglich der Höhe des Goodwills einigen?

Wir gingen von dem von FEDERER & PARTNERS vorgeschlagenen Rahmen aus, der in etwa auch mit weitern mir bekannten Goodwillbeträgen übereinstimmte und passten diesen in der Verkaufsdiskussion geringfügig an.

Sie arbeiten seit der Praxisübergabe weiterhin in ihrer ehemaligen Praxis als angestellter Arzt gemeinsam mit Herrn Doktor Frigg weiter. Tauchte in den vergangenen Jahren jemals das Thema bezüglich des Goodwills nochmals zwischen Ihnen und Herrn Doktor Frigg auf?

Nein, dies war niemals mehr ein Thema zwischen uns: Herr Dr. Frigg war offensichtlich mit dem Geschäftsgang seiner neuerworbenen Praxis zufrieden und ich ebenso mit der durch den Goodwill ermöglichten Erhöhung meiner Altersvorsorge.

PD Dr. med. Arno Frigg

Facharzt FMH für Orthopädische Chirurgie und Traumatologie des Bewegungsapparates
Praxisinhaber, FussChirurgie Zürich

Herr Doktor Frigg, Sie haben Mitte 2012 die Facharztpraxis von Herr Professor Zollinger in Zürich übernommen.
Was hat Sie damals dazu bewegt, Basel zu verlassen und mit Ihrer Familie nach Zürich zu ziehen und eine Praxis zu übernehmen?

Am Universitätsspital Basel gab es damals «Unregelmässigkeiten», welche aktuell vom Staatsanwalt untersucht werden und dann zur fristlosen Entlassung des damaligen Chefarztes im Jahre 2014 geführt haben. Aus juristischen Gründen kann ich dazu nicht mehr sagen, auf jeden Fall war eine weitere Tätigkeit am Universitätsspital Basel mit meiner Ethik und meinem Gewissen nicht vereinbar. Auch der Zustand von einem Gehalt von 9000.–/Monat als Oberarzt der Orthopädie/Unfallchirurgie mit nachts den spektakulären Unfällen im Schockraum, welche alle in der Zeitung standen, einer 100 Stunden-Woche und keiner Aufstiegs-chance (man müsse 6 Jahre Oberarzt sein, damit man trotz Habilitation Leitender Arzt werden könne) kombiniert mit einer Familie mit Kindern war nicht länger aushaltbar und auch schlichtweg nicht finanzierbar. Albert Schweitzer hat gesagt, man muss nicht nach Lambarene gehen, um Gutes zu tun. Daher bin ich in die Praxis gegangen (halt mitten in Zürich in der Finanzwelt an der Bahnhofstrasse am Rennweg, also was ich nur von den teuren dunkelblauen Feldern im Monopoli als Kind kannte) und setze genau diese Werte um, die mir wichtig sind (welche ich auch schon selbst bei meiner Arbeit am Albert Schweitzer Spital in Haiti gelernt habe): z.B. «Operieren nur wenn nötig» oder ganz einfach «Mensch sein» und menschliche Entscheidungen treffen, welche halt ein etwas längeres Gespräch auch als Chirurg benötigen. Gerade dieses Prinzip widerspricht dem MBA- und wirtschaftlichen Profitdenken, welches all diese Berater in Anzug und Krawatte in die Spitäler bringen, Gewinn zu erwirtschaften (mein Kommentar dazu wäre das chirurgische Prinzip: man kann nicht alles in Eiscreme umwandeln…, die Organisation der Spitäler ist grundlegend um ca. 30–40 Jahre veraltet). Meine Praxis ist voll und die Menschen! (nicht Fälle) kommen gerne zu mir – finanziell stimmt es auch für mich, jeder muss selbst wissen, wieviel er braucht (nach oben ist bekanntlich keine Grenze, vielleicht nur die Koronarien mögen irgendwann nicht mehr: ich habe 3 meiner Mentoren im Alter zwischen 40–60 Jahren verloren sowie mehrere Kollegen sind ins Burnout gerutscht. – ich wollte nie so enden) – nur die Spitaldirektoren wollen einen immer mehr ausnehmen, auch als Belegarzt muss man sich täglich wehren. Dies und die schlechte Bezahlung in den Spitälern erinnern mich an die Mehrwert-Theorie von Marx. In der Praxis bin ich mein eigener Herr und Meister und kann meine obengenannten «Werte» leben. Nicht alles lässt sich mit Geld messen oder aufwiegen, das haben die meisten Menschen nicht begriffen.

Sie haben für die Übernahme der Praxis von Herrn Professor Zollinger einen Goodwill bezahlt. Hatten Sie zu Beginn Mühe mit der Vorstellung für die Praxisübernahme einen Goodwill zu entrichten?

Ich hatte sehr grosse Mühe: Ein Goodwill ist wie der Kauf einer mittelgrossen 5-Zimmer-Eigentumswohnung in der Stadt oder eines kleinen Hauses auf dem Land. Nach einer demokratischen Befragung meines Freundeskreises werden 6- bis 7stellige Beträge üblicherweise bezahlt. Mit dem grossartigen Einkommen vom Unispital war dies eine neue Dimension, ein richtiger Hammer! Und man hat ja nichts in der Hand (z.B. wie bei einer Wohnung), die Patienten sind ja schon operiert und weg, nicht so wie bei einem Hausarzt.

Wie war Ihre Erfahrung bezüglich der Bankfinanzierung der Praxisübernahme
in Bezug auf die Bezahlung des Goodwills?

Bei den Banken war das kein Problem, ich hatte viele gute Angebote und konnte auswählen. Dem Goodwill gegenüber steht eine minuziöse Planung und auch Analyse, ob der Goodwill angemessen ist. In meinem Fall war dies korrekt, den 3-Jahres-Plan und das Budget hatte ich mit FEDERER & PARTNERS bereits unüblicherweise vor Unterschrift des Kaufvertrages gemacht. Dabei habe ich gesehen, dass die Sache aufgeht. Die Beratung von Herrn Dr. Federer war entscheidend und relativierte den Goodwill.

Wie beurteilen Sie die Diskussionen bezüglich der Bezahlung eines Goodwills bei einer Praxisübernahme rückblickend auf Ihre Situation?

Am Schluss ist nicht die absolute Höhe des Goodwills oder der Goodwill an sich zu diskutieren oder zu bewerten, sondern die Frage, was man dafür bekommt! Das muss stimmen und dabei hat Herr Dr. Federer die optimale Erfahrung und mich sehr gut beraten. Natürlich gibt es auch Missstände: Leider sehe ich immer wieder andere Ärzte, die sich mit horrenden Goodwills in Praxis-Netzwerke
oder Firmen einkaufen und fehlendes Fachwissen mit hohen Goodwill- Zahlungen wettmachen. Danach müssen diese ja intern Zuweisungen bekommen, obwohl die Ärzte gar nicht die besten Spezialisten für dieses Gebiet sind. Darunter leidet am Schluss der Patient, welcher das ja gar nicht beurteilen kann. Irgendwann nach 1–2 Jahren merken es dann die Patienten und auch Zuweiser
und der geplante Umsatz des betroffenen Arztes verringert sich. Also muss neben dem Goodwill auch einfach das Können des Käufers stimmen, da die Rechnung sonst nach einem gut erkauften Start langfristig nicht aufgeht. Wie immer im Leben: man muss das Pferd, auf dem man sitzt, auch noch reiten können…