Dr. med. Urs Studer

Dr. med. Urs Studer, Facharzt FMH für Chirurgie hat im Jahre 2007 eine Spezialarztpraxis für Chirurgie in Zofingen eröffnet. Wie hat er diesen grossen Schritt in die Selbständigkeit vorbereitet und wie hat er ihn erlebt? Was würde er heute anders machen? Das und noch vieles mehr für alle, die diesen Schritt noch vor sich haben und aus Erfahrungen von Kollegen profitieren möchten.

Herr Doktor Studer, warum haben Sie sich für eine Praxiseröffnung und nicht für eine Übernahme entschieden?

Weil kein geeignetes Objekt zur Verfügung stand. Die Übernahme einer chirurgischen Arztpraxis, welche vor 20 Jahren gebaut wurde, schien mir generell problematisch. Solche Praxen entsprechen meist nicht mehr den heutigen Anforderungen. Mit der Einführung von TARMED wurden beispielsweise verschiedene OP-Saal-Kategorien geschaffen. Ich habe deshalb versucht, etwas Eigenes für die Zukunft zu realisieren.

Warum haben Sie sich ausgerechnet in Zofingen niedergelassen?

Ich lebe seit einigen Jahren mit meiner Familie in der Region Zofingen, wo wir uns sehr wohl fühlen. Ein wichtiges Ziel beim Schritt in die Selbständigkeit war, möglichst nahe am Wohnort arbeiten zu können. Die Region schien mir auch geeignet für mein Projekt, da sie sich wirtschaftlich gut entwickelt und die Konkurrenzlage in meinem Fachgebiet noch nicht so ist, wie in städtischen Gebieten. Die Region bietet zudemauch guteMöglichkeiten für eine Belegarzttätigkeit.

War für Sie eine Gemeinschaftspraxis nie ein Thema? Warum?

Nein, in meiner Situation nicht. Ich denke, dass bei den Grundversorgern diese Praxisform viel mehr Vorteile bietet als bei einem Spezialisten. Beim Spezialisten spielt die Individualität meines Erachtens eine wichtige Rolle. Zusammenarbeit mit Kollegen ist aber als Niedergelassener enorm wichtig. Als Belegarzt arbeite ich beim Operieren regelmässig mit Kollegen zusammen. In der prä- und postoperativen Patientenbetreuung ist der Kontakt zumHausarzt sehr wichtig. Der Austausch muss, anders als wenn man angestellt ist, aktiv gesucht und gepflegt werden.

Wie haben Sie das Projekt «Praxiseröffnung» vorbereitet?

Einerseits habe ich mich durch eine, auf Ärzteberatung spezialisierte Unternehmensberatung begleiten lassen. Die Unternehmensberatung erstellte für mich professionelle Unterlagen (Standortanalyse, Businessplan, Zeitplan etc.). Bei wichtigen Entscheiden hatman eine(n) erfahrene(n) AnsprechpartnerIn. Ich konnte insbesondere bei allen Kontakten mit Banken, Versicherungen, Praxisausstattern uä. stets von einem bewährten Netzwerk profitieren und das Netzwerk natürlich auch von mir. Beim Praxisbau habe ich mich auf einen, auf Arztpraxen spezialisierten Praxisarchitekten verlassen. Für die Planung, die Einrichtung und die Ausstattung des Operationssaals habe ich selber sehr viel Zeit investiert. Ich habe verschiedene Kollegen in chirurgischen Praxen besucht und mir schlussendlich meine Lösung ausgedacht und umgesetzt. Besonders wertvoll war auch die Bereitschaft eines Kollegen, mir die verschiedensten Unterlagen aus seiner Praxis zur Verfügung zu stellen.

War es schwierig im Fall einer Praxiseröffnung einen Bankkredit zu bekommen?

Das Geschäft mit der Medizin wird von den Banken offenbar immer noch als lukrativ und sicher eingeschätzt und grosszügig finanziert. Dank der professionellen Unterlagen und dem erwähnten Netzwerk konnten wir aus verschiedenen, fast gleichwertigen Offerten auswählen. Wie grosszügig sich eine Bank zeigt, wenn man die Zinsen nicht bezahlen kann, steht natürlich in keinem Vertrag.

Wie haben Sie die letzten Tage vor der Eröffnung erlebt?

Die letzten Tage waren geprägt von Bauhandwerkern, die sich, wegen ihrer Vielzahl, gegenseitig bei der Arbeit behinderten. Dies war zu erwarten, da unser Zeitplan für den Umbau von Anfang an sehr ehrgeizig war. Es grenzte an einWunder, dass zur Eröffnung dann doch fast alles fertig war. Fürs Einrichten blieb dann noch ein Wochenende. Ich will nicht verschweigen, dass die Unsicherheit über den Erfolgmeines Unternehmens mich auch stark belastete.

Und wie war der erste Tag in der eigenen Praxis?

Ganz konkret kann ich mich nicht an den ersten Tag erinnern. Mit der Patientenbetreuung ging es von Beginn weg recht gut. Bei den organisatorischen und administrativen Abläufen musste noch Einiges geregelt und angepasst werden. Eigentlich geschieht dies von Patient zu Patient. Die organisatorischen Dinge stehen zu Beginn gegenüber der Medizin weit im Vordergrund und verschlingen sehr viel Zeit.

Wie beurteilen Sie die Situation jetzt nach einem Jahr?

Der Optimierungsprozess bei den Praxisabläufen ist noch nicht abgeschlossen, er braucht nach wie vor viel Energie und Einsatz. Kontakte müssen geknüpft und gepflegt werden. Der Karren muss immerfort gezogen werden. Von Seiten der Patienten erhalten wir gelegentlich Komplimente für unsere Arbeit. Die Kontakte zu den zuweisenden Kollegen entwickeln sich. Der Bekanntheitsgrad unseres Betriebs wächst. Die Patientenzahlen steigen, die Arbeit ist nicht weniger geworden. Die Umsatzzahlen entsprechen den Prognosen. Dies beruhigt natürlich undman glaubt nun, doch etwas Erfolg zu haben.

Was würden Sie heute anders machen?

Eigentlich nichts. Ich denke, dass ich, nicht zuletzt wegen der guten Beratung, keine grossen Fehler gemacht habe.

Was ist das Geheimnis Ihres Erfolges?

Ich hoffe, dass man auch heute noch mit seriöser Arbeit und mit guter Patientenbetreuung in der Medizin erfolgreich sein kann.

Was würden Sie Ihren Kollegen, welche den Schritt in die Selbständigkeit noch vor sich haben, mit auf den Weg geben?

Versuche, dich trotz Existenzängsten und Unsicherheiten an den kleinen Erfolgen zu freuen und nicht nur das zu sehen, was noch nicht optimal läuft.

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