Dr. med. Mihael Potocki

Herr Dr. med. Mihael Potocki, Facharzt FMH für Kardiologie, hat vor über 2 Jahren eine Facharztpraxis in der Stadt Dietikon neu eröffnet. Wie hat er diesen grossen Schritt in die berufliche Selbständigkeit vorbereitet und wie hat er ihn erlebt? Was würde er heute anders machen? Das und noch vieles mehr für alle, die diesen Schritt noch vor sich haben und aus den Erfahrungen ihrer Kollegen profitieren möchten.

Herr Doktor Potocki, warum haben Sie sich für eine «Praxisneueröffnung» und nicht für eine «Übernahme» entschieden?

Als ich mit dem Gedanken spielte mich selbstständig zu machen, gab es in dem von mir gewünschten Umkreis keine Praxis zu übernehmen. Deswegen habe ich mich nach sorgfältiger Standortanalyse für eine Neueröffnung entschieden, nachdem auch der Zulassungstopp zu diesem Zeitpunkt abgeschafft worden ist.

Warum haben Sie sich ausgerechnet in Dietikon niedergelassen?

Ich bin in der Region aufgewachsen und kannte das Gebiet schon von früher. In Dietikon und den umliegenden Gemeinden gab es keinen selbstständig praktizierenden Kardiologen, ausser einer Spitalkardiologie im nahegelegenen Regionalspital. Da ich nach Gesprächen mit den Hausärzten in der Region gehört habe, dass ein Kardiologe in eigener Praxis sicherlich eine gute Ergänzung zum Spital wäre und ein Bedarf vorhanden sei, habe ich abschliessend noch mit den Kardiologen im Spital gesprochen, die meinen Entschluss eine Praxis zu eröffnen, bekräftigten.

Sie haben eine Einzelpraxis eröffnet. Weshalb haben Sie sich nicht für eine Gemeinschaftspraxis entschieden?

Bei der Eröffnung meiner Praxis, wollte ich flexibel sein, um die zahlreichen Entscheidungen, die man im Vorfeld der Eröffnung treffen muss, nicht noch mit einem Praxispartner diskutieren zu müssen. Für mich war auch die finanzielle Situation sehr ungewiss, weswegen ich den Alleingang präferierte.

Wie haben Sie das Projekt «Praxiseröffnung» vorbereitet?

Nachdem ich mir im Vornherein schon Gedanken über den Standort gemacht hatte, kontaktierte ich FEDERER & PARTNERS, die durch ihre Standortanalyse meinen Entschluss bekräftigten. Danach ermöglichte mir die ständige Unterstützung und Begleitung durch Frau Tamazian während den 6 Monate bis zur Praxiseröffnung einen gelungenen Start in die Selbstständigkeit.

War es schwierig im Fall einer «Praxiseröffnung» einen Bankkredit zu erhalten?

Ich glaube, dass es als Spezialist viel einfacher war, einen Kredit zu bekommen als für einen Hausarztkollegen. Aber man sollte schon einen guten und fundierten Businessplan haben und die Banken von seinem Vorhaben auch persönlich überzeugen.

Wie haben Sie die letzten Tage vor der «Eröffnung» erlebt?

Bei mir waren die letzten Tage, die intensivsten, da die ganze Technik, IT und die medizinischen Geräte installiert werden mussten, aber gleichzeitg die Handwerker noch in den Praxisräumen die letzten Arbeiten verrichteten. Die Spannung stieg aber gleichzeitig und es war ein besonders schöner Moment am ersten Arbeitstag in die eigene Praxis einzutreten.

Und wie war der erste Tag in der eigenen Praxis?

Der erste Tag war sehr ruhig und ich hatte einen einzigen Patienten, der auch noch als polnischer Tourist in der Schweiz war. Da mein Nachname von einem Adelsgeschlecht aus Polen stammt, war er sofort begeistert, wobei ich mich mit ihm nicht unterhalten konnte, sondern sein Sohn übersetzten musste. Schlussendlich war er medizinisch gut versorgt und ich habe für die Arbeit eine schöne Ansichtskarte aus Polen bekommen.

Sie arbeiten in Ihrer Praxis gemeinsam mit Ihrer medizinischen Praxisassistentin. Wie haben Sie den Rollenwechsel vom Angestellten zum Vorgesetzten erlebt?

Schon während der Zeit als Oberarzt im Spital hat man gewisse Vorgesetztenaufgaben. So war es nicht sonderlich schwer im Umgang mit der Praxisassistentin. Allerdings waren es mehr die administrativen Personalaufgaben, die zu Beginn Schwierigkeiten bereiteten und die man besser an den Buchhalter abgeben sollte, um sich auf die medizinischen Aufgaben zu konzentrieren.

Wie beurteilen Sie die Situation jetzt nach über 2 Jahren?

«Aller Anfang ist schwer» sagt ein Sprichwort. So war es auch bei mir. Allerdings darf man sich zu Beginn nicht aus der Ruhe bringen. Man sollte die Arbeit mit Freude machen und sich gerade am Anfang für die Patienten Zeit nehmen. Dies schätzen die Patienten sehr und erzählen dies auch den zuweisenden Hausärzten, welche bei einem Aufbau einer Praxis eigentlich die wichtigste Rolle einnehmen. Nach nun etwas mehr als zwei Jahren habe ich ein gut funktionierendes Zuweisernetz, worüber ich sehr glücklich und dankbar bin.

Was würden Sie heute anders machen?

Ich finde retrospektiv, dass ich alles richtig gemacht habe.

Planen Sie in naher Zukunft Ihre Praxis weiterauszubauen, d.h. allenfalls eine Ärztin / einen Arzt mit ins Boot zu holen?

Da die Patientenzahlen stetig ansteigen und die Wartezeiten länger werden, habe ich mir tatsächlich überlegt mit einem zusätzlichen Arzt oder einer Ärztin zusammenzuarbeiten. Dies einerseits, um den fachlichen Austausch zu haben, aber auch um den Service für die Hausärzte mit kürzeren Wartezeiten, Abdeckung in den Ferien und Ausbau der Sprechstundenzeiten zu verbessern.

Was ist das Geheimnis Ihres Erfolges?

Ich denke, dass die Hausärzte mit meiner Arbeitsweise zufrieden sind und die Patienten sich ernst genommen und gut betreut fühlen. Zusammen mit dem Spass an der täglichen Arbeit kann fast nichts mehr schief gehen.

Herr Doktor Potocki, vielen herzlichen Dank für das Interview. Wir hoffen, dass Sie bald eine/n Fachkollegin / Fachkollegen für Ihr Team finden werden.

www.herzpraxis-limmattal.ch