Dr. med. Matthias Schwyter

Ich bin glücklich über meinen Entscheid, Hausarzt zu werden

Herr Dr. med. Matthias Schwyter, Facharzt FMH für Innere Medizin, ist vor gut 2 Jahren als neuer Partner ins «Ärztezentrum Wohlen» eingestiegen. Wie hat er diesen grossen Schritt in die Selbständigkeit vorbereitet und wie hat er ihn erlebt? Was würde er heute anders machen? Das und noch vieles mehr für alle, die diesen Schritt noch vor sich haben und von den Erfahrungen eines Kollegen profitieren möchten.

Herr Doktor Schwyter, was hat Sie dazu bewogen, ins Ärztezentrum Wohlen einzusteigen?

Die damals schon seit gut 10 Jahren bestehende Gemein-schaftspraxis aus zwei Allgemeinmedizinern und einer Allgemeinmedizinerin mit Schwerpunkt Gynäkologie und Schwangerschaftsbetreuung war der erste Kontakt, der mir von meinem Ärzteberater auf der Suche nach einer ge-eigneten Praxiseinstiegsmöglichkeit vermittelt wurde. Ich vereinbarte ein erstes Treffen mit meinen zukünftigen Praxispartnern und merkte dabei, dass mein zentrales Kriterium für den Praxiseinstig, nämlich ein intaktes zwischenmenschliches Umfeld, hier erfüllt war. Daher und nach einem positiv erlebten Schnuppertag entschied ich mich, im Rahmen einer Stellvertretung vier Monate in der Gemeinschaftspraxis mitzuarbeiten. Durch diese aktive Mitarbeit konnte ich mich einerseits definitiv vom guten menschlichen Umfeld mit den Ärzten und Praxis-assistentinnen überzeugen und andererseits die aus-gezeichnete Organisation der Praxis und deren moderne Infrastruktur (elektronische Krankengeschichte, Ultraschall, digitales Röntgen, Belastungs-EKG, Lungenfunktion usw.) kennenlernen. Schliesslich und vielleicht entscheidend habe ich in diesen vier Monaten erfahren, dass die Hausarzt-medizin ein äusserst vielseitiger, spannender, heraus-fordernder und befriedigender Bereich der Medizin ist. Aufgrund der genannten Erfahrungen fiel mir der Entscheid leicht, per Anfang 2009 als neuer Partner in die bestehende Gemeinschaftspraxis einzusteigen, die seither «Ärztezentrum Wohlen» heisst.

Haben Sie im Standort Wohlen von Anfang an ein gewisses Potential gesehen?

Grundsätzlich hat sich der Standort Wohlen für mich so ergeben, da sich wie eingangs geschildert die Gemein-schaftspraxis hier befand. Retrospektiv kann ich aber sagen, dass der Standort aus verschiedenen Gründen sehr gut ist. Wohlen verfügt über ein gutes Netz aus Spezialisten und Hausärzten, zu denen fast ausnahmslos ein persönlicher Kontakt besteht, ebenso wie zu den Ärzten des Kreisspitals für das Freiamt Muri. Dies resultiert in einer guten und unkomplizierten Betreuung der Patienten, was im Praxisalltag eine grosse Erleichterung darstellt. Andererseits ist Wohlen die Zentrumsgemeinde der Region Freiamt, die ihrerseits eine deutlich aufstrebende Gegend mit vielen Neuzuzügern ist. Zudem verfügt Wohlen über eine gute Erschliessung mit dem öffentlichen und privaten Verkehr. Folglich ist das Ärztezentrum Wohlen auch in Bezug auf Patientenneuzugänge optimal positioniert.

War eine Einzelpraxis nie ein Thema für Sie?

Nein, eine Einzelpraxis war für mich aus verschiedenen Gründen nie ein Thema. Einerseits hat mir die Arbeit im Team schon immer viel Freude bereitet, andererseits bietet eine Gemeinschaftspraxis auch viele organisatorische Vorteile wie z.B. die gegenseitigen Vertretungen bei Ferien– und Kongressabwesenheiten. Letztlich und mitunter auch entscheidend im heutigen Umfeld sind die klaren wirtschaftlichen Vorteile einer Gemeinschaftspraxis zu nennen, indem Investitionen gemeinsam getätigt und die Kosten auf mehrere Parteien verteilt werden können. Aus den genannten Gründen ist die Gemeinschaftspraxis für mich die ideale Lösung für die selbständige Arzttätigkeit, immer natürlich unter der Voraussetzung eines intakten menschlichen Umfelds, wie dies bei uns glücklicherweise der Fall ist.

Wie haben Sie das Projekt «Einstieg in ein Ärztezentrum» vorbereitet?

Der wichtigste Schritt war die Prüfung der Praxis in Bezug auf zwischenmenschliche, organisatorische und wirtschaftliche Aspekte. Die vier Monate, in denen ich in der Praxis mitgearbeitet habe, bildeten diesbezüglich eine optimale Grundlage für meinen Entscheid, ins «Ärztezentrum Wohlen» einzusteigen. Die konkrete Realisierung des Praxiseinstiegs habe ich dann mit der Unterstützung von vier Partnern aus den Bereichen Ärzteberatung, Bank, Versicherungen sowie Treuhand vollzogen.

War es schwierig für einen jungen Arzt wie Sie, einen Bankkredit zu bekommen?

Die Finanzierung war kein Problem, ich habe vier Banken geprüft, welche allesamt zu besten Konditionen offeriert haben. Ich habe mich dann für jene Bank entschieden, die mich neben einem attraktiven Zinssatz auch menschlich am meisten überzeugt hat.

Wie haben Sie die letzten Tage vor dem Einstieg erlebt?

Rückblickend war der Praxiseinstieg entspannt für mich, weil ich vom Organisatorischen grösstenteils entlastet wurde durch die Unterstützung meiner erfahrenen Arzt-kollegen und da ich in eine bestens organisierte und laufende Praxis einsteigen konnte. Folglich konnte ich mich vor der Eröffnung hauptsächlich auf den auf mich zu-kommenden Praxisalltag konzentrieren und mich ent-sprechend vorbereiten (Erlernen des Umgangs mit der elektronischen Krankengeschichte, Einarbeitung in Patientendossiers, Einrichten meines Sprechzimmers). Von den neben der Sprechstunde anfallenden organisatorischen Aufgaben wurde ich zu Beginn meiner Praxistätigkeit weitgehend entlastet und habe diese erst im Verlauf der Monate mit zunehmender Routine in der Sprechstunden-führung sukzessive übernommen. In diesem Sinne habe ich die Tage vor dem Praxisstart ruhig und positiv erlebt.

Wie war die initiale Auslastung mit Patientenkontakten?

Dadurch, dass ich einen Patientenstamm von meinen Kollegen übernehmen konnte und das Praxisteam schon unmittelbar nach meinem Entscheid, in die Praxis einzu-steigen, also ca. sechs Monate vor Arbeitsbeginn, Patienten für mich in die Agenda eingeschrieben hat, war meine Sprechstunde vom ersten Tag an voll, natürlich auch vor dem Hintergrund einer am Anfang noch längeren Konsultationsdauer, da ich die Patienten zuerst einmal gründlich kennenlernen wollte und auch noch ungeübter im Umgang mit der elektronischen Krankengeschichte war.

Wie wurden Sie von den Teammitgliedern aufgenommen?

Ich wurde von den Arztkollegen und den Praxis-assistentinnen von Anfang an sehr gut aufgenommen und da es immer noch das gleiche Team war wie bei meiner 4 monatigen Praxisvertretung, haben wir uns bereits gegen-seitig gut gekannt, was sicherlich ein Vorteil war.

Wie beurteilen Sie die Situation jetzt nach zwei Jahren?

Ich kann insgesamt sagen, dass ich über meine Ent-scheidung, Hausarzt zu werden, sehr glücklich bin. Ich hatte noch nie so viel Freude an der Arbeit und an der Medizin wie in den vergangenen zwei Jahren. Für mich war es definitiv der richtige Entscheid, und ich würde im Nachhinein nichts anders machen.

Wenn Sie an Ihre Spitaltätigkeit denken, welche Unterschiede stellen Sie gegenüber einem Ärztezentrum fest?

Ein ganz entscheidender Punkt ist das Verhältnis Patienten-kontakt / Administration, welches ich im Spital auf ca. 30% Patientenkontakt und 70% Administration schätzen würde. In der Praxis ist dieses Verhältnis gerade umgekehrt, ich verbringe deutlich mehr Zeit mit meinen Patienten als mit administrativen Arbeiten. Die ganze Administration hält sich insgesamt in einem vernünftigen Rahmen. Ein weiterer Punkt stellt für mich die Flexibilität dar, indem ich meine Freitage und Ferien und selbst das Arbeitspensum frei gestalten kann. Insgesamt habe ich dadurch deutlich mehr Zeit für die Familie als während meiner Spitalzeit, insbesondere auch durch eine gute Notfalldienstregelung hier in der Region (1 – 2 Wochentage pro Monat und 4 – 6 Wochenendtage pro Jahr Notfalldienst, jeweils nur bis um 21.00 Uhr, da anschliessend der Dienst vom Spital Muri übernommen wird). Dies bedeutet eine Verbesserung der Lebensqualität im Vergleich zur Spitaltätigkeit mit den vielen Spät– und Nachtdiensten.

Was ist das Geheimnis Ihres Erfolges?

Einerseits die Freude am Menschen und an der Medizin und andererseits, dass ich immer versuche, meine Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen zu machen. Zudem denke ich, dass es wichtig ist, neben dem Beruf genügend Zeit für die Familie und die Freizeit einzuplanen.

Was würden Sie Ihren Kollegen, welche den Schritt in die Selbständigkeit noch vor sich haben, mit auf den Weg geben?

Ich habe die Arbeit in einer Gemeinschaftspraxis als sehr positiv erlebt und kann diese Form der Arzttätigkeit nur weiterempfehlen. Ich denke jedoch, dass es in jedem Fall wichtig ist, vor einem Einstieg mehrere Wochen mit den potentiellen zukünftigen Praxispartnern zusammen-zuarbeiten. So kann sichergestellt werden, dass das zwischenmenschliche Umfeld stimmt. Ich bin überzeugt, dass dies letztlich der entscheidende Faktor ist, ob die Zusammenarbeit in einer Gruppenpraxis langfristig erfolgreich und befriedigend ist.

Was sind die Zukunftsperspektiven des Ärztezentrums Wohlen?

Wie in den meisten, nicht städtischen Regionen der Schweiz besteht auch im Freiamt ein Mangel an Grundversorgern, der sich in den nächsten Jahren akut vergrössern wird. So können wir bereits heute nicht alle Patienten, die uns wegen einer hausärztlichen oder gynäkologischen Betreuung anfragen, aufnehmen. Folglich ist es mittelfristig unser Ziel, 1 – 2 neue, junge Kolleginnen oder Kollegen mit der Weiterbildung Allgemeine Medizin, Innere Medizin oder Gynäkologie in das Team zu integrieren. Falls jemand Interesse hat, ist eine Kontaktaufnahme für ein erstes Kennenlernen jederzeit gerne möglich.

Herr Doktor Schwyter, vielen herzlichen Dank für das Interview.

www.aerztezentrum-wohlen.ch