Dr. med. Marc Hoppler

Dr. med. Marc Hoppler, Facharzt für Allgemeinmedizin, hat im Jahre 2004 eine Praxis in Zug übernommen. Wie hat er diesen grossen Schritt in die Selbständigkeit vorbereitet und wie hat er ihn erlebt? Was würde er heute anders machen? Das und noch vieles mehr für alle, die diesen Schritt noch vor sich haben und aus den Erfahrungen von Kollegen profitieren möchten.

Warum haben Sie sich für eine Praxisübernahme und nicht für eine Eröffnung entschieden?

Ich war da eigentlich ganz offen und liess mir Zeit. Zuerst analysierte ich meine Bedürfnisse und danach schaute ich mich in meiner Wohngegend um. Nur war ich mir nicht sicher, ob meine Überlegungen auch wirtschaftlich fundiert waren. So liess ich bei Federer & Partners eine Standortanalyse erstellen. Diese war dann recht ernüchternd. In dieser Gegend wäre meine neu eröffnete Praxis nur sehr langsam angelaufen und ich hätte einen langen Atem gebraucht, um die anfängliche Durststrecke zu überwinden. Da es aber für mich von Anfang an klar war, dass ich lieber nicht den ganzen Tag in der Praxis sitzen und auf einzelne Patienten warten wollte, die dann über den Tag verteilt zu mir in die Praxis kommen, haben wir dieses Projekt verworfen. Also stand ab da nur noch eine Praxisübernahme zur Debatte.

Warum haben Sie sich ausgerechnet in Zug niedergelassen?

Bezüglich der Lokalisation der Praxis waren wir recht flexibel, obwohl unsere Tochter kurz vor der Einschulung stand. So trat die Persönlichkeit des Vorgängers in den Vordergrund. Meine Überlegung war, dass, wenn ich mich mit dem ehemaligen Hausarzt gut verstehen würde und ihn als Mensch und Mediziner zu schätzen wusste, es auch mit seinen Patienten gut klappen würde. Diese etwas idealistische Ansicht wurde dann mit der Praxisübernahme in Zug vollständig erfüllt.

War für Sie eine Gemeinschaftspraxis nie ein Thema?

Ich habe mir oft vorgestellt, dass es schön wäre eine Gemeinschaftspraxis zu führen, sich mit einem vertrauten Kollegen austauschen zu können und vielleicht bei der gemeinsamen Kaffeepause über alles Mögliche zu diskutieren. Leider habe ich während meinen Praxisvertretungen auch das Gegenteil kennen gelernt. Da ich aber eine Einzelpraxis übernommen habe, stand eine Gemeinschaftspraxis nicht zur Diskussion. Ich hatte grossen Respekt vor der Einsamkeit als Einzelkämpfer in der Praxis. Doch nun fühle ich mich richtig wohl, ich beteilige mich an einem Qualitätszirkel, bin Lehrarzt an der Uni Zürich und mache in der Notorganisation des Kantones mit, sodass sich meine anfänglichen Bedenken als unbegründet herausstellten.

Wie haben Sie das Projekt «Praxiseröffnung» vorbereitet?

Für den rechtlichen Teil habe ich mich ganz auf die Expertise und die Hilfe von Federer & Partners verlassen. Es blieb dann noch genug zu organisieren.Wir stellten einen Fahrplan auf und hielten uns strikte daran. Zugute kam mir dabei, dass mein Vorgänger bis eine Woche vor der Übernahme in seiner Praxis arbeitete, danach wurde eine Woche renoviert und schon ging es los.

War es schwierig im Fall einer Praxiseröffnung einen Bankkredit zu bekommen?

Wir mussten zwei Sachen gleichzeitig organisieren und das war etwas schwierig. Da wir privat umziehen mussten, waren wir gezwungen, gleichzeitig die Finanzierung eines Hauses und der Praxis mit der Bank zu verhandeln.Wir haben zwei Gross- und vier Kantonalbanken in den umliegenden Kantonen angefragt. Jedes Mal musste man mit allen Unterlagen – selbstverständlich auch in Begleitung der Ehefrau – richtige Vorstellungsgespräche abhalten. Viele dieser Gespräche dauerten mehr als eine Stunde. Am Schluss war nur die Luzerner Kantonalbank bereit beide Geschäfte gleichzeitig zu finanzieren.

Wie haben Sie die letzten Tage vor der Eröffnung erlebt?

Diese waren ziemlich hektisch, Umbau, zwei Praxiseröffnungsapéros – einer für unsere Freunde und Familie, einer für die Arztkollegen in der Umgebung – einfüllen der Drucksachen, Instruktion der Arztgehilfin sowie viele kleine Dinge, die mir natürlich auch schlaflose Nächte bereiteten.

Und wie war der erste Tag in der eigenen Praxis?

Das Gefühl ist unbeschreiblich, zum ersten Mal vollständig alleine für sich zu arbeiten war richtig lustig. Am Abend hatten wir bereits 25 Patienten behandelt. Viele sind vermutlich nur gekommen, um den neuen Doktor zu sehen, aber das war gut so, so lernte ich meine neuen Patienten kennen.

Wie beurteilen Sie die Situation jetzt nach vier Jahren?

Nach 4 Jahren hat sich das ganze recht gut eingespielt. Zug ist wunderbar und bietet wirklich vieles für jeden Geschmack. Meine Familie hat sich gut eingelebt und ich fühle mich wohl in der Praxis. Wir haben einen guten Patientenmix vom Säugling bis zur 103 Jährigen Patientin.

Was würden Sie heute anders machen?

Ich würde versuchen den Praxiskredit über 10 Jahren abzahlen zu können und nicht wie von der Bank gefordert in 7 Jahren, da dies die finanzielle Möglichkeiten unserer Praxis doch sehr strapaziert.

Was ist das Geheimnis Ihres Erfolges?

Habe ich Erfolg? Ich mag meine Patienten wirklich gut und ich glaube, das spüren sie auch, deshalb kommt von ihnen auch einiges zurück. Was würden Sie Ihren Kollegen, welche den Schritt in die Selbständigkeit noch vor sich haben, mit auf den Weg geben? Eine Allgemeinpraxis ist so ziemlich das Spannendste wasman sich vorstellen kann.Man hat nicht nur ein isoliertes Fachgebiet, sondern man muss sich mit einer ganzen Bandbreite von Fachrichtungen beschäftigen. Dazu kommt der enge Kontakt mit dem Patienten, welche man in den verschiedensten Lebensabschnitten betreuen und so ein richtiges Vertrauensverhältnis aufbauen kann.

www.praxis-zug.ch