Dr. med. Dominik Müller

Herr Dr. med. Dominik Müller, Facharzt FMH für Facharzt FMH für Angiologie, hat im Jahre 2006 eine Praxis in Biel eröffnet. Wie hat er diesen grossen Schritt in die Selbständigkeit vorbereitet und wie hat er ihn erlebt? Was würde er heute anders machen? Das und noch vieles mehr für alle, die diesen Schritt noch vor sich haben und aus den Erfahrungen von Kollegen profitieren möchten.

Herr Dr. Müller, warum haben Sie sich für eine Praxiseröffnung und nicht für eine Übernahme entschieden?

Bei einer geringen Zahl niedergelassener Angiologen in der Schweiz und einem jungen Fach war in meinem Einzugsgebiet keine angiologische Praxis zu übernehmen. Da ich mich entschieden habe, nur mein Spezialgebiet und keine Grundversorgeraufgaben zu übernehmen und ich somit weder ein geeignetes Patientenkollektiv noch spezielle Gerätschaft übernehmen konnte, kam für mich nur eine Praxisneueröffnung, dafür an idealer Lage, in Frage.

Warum haben Sie sich ausgerechnet in Biel niedergelassen?

Aus familiären Gründen war Bern und Umgebung mein bevorzugtes Gebiet, in welchem ich mich niederlassen wollte. Eine genaue Standortanalyse der diversen Städte hat gezeigt, dass Biel damals noch bezüglich eines Angiologen unterversorgt war und zudem einen Verkehrsknotenpunkt darstellte. Als Spezialarztpraxis war für mich das Netzwerk mit entsprechenden Spezialisten (Diabetologen, Gefässchirurgen, Venenchirurgen) sowie eine Klinik mit Angiographieanlage Voraussetzung.

War für Sie eine Gemeinschaftspraxis nie ein Thema? Warum?

Aufgrund der lokalen Gegebenheiten war eine Gemeinschaftspraxis zur Praxiseröffnung kein Thema. Dies, zumal man als Angiologe wenig gemeinsame Ressourcen einsparen kann, was sicherlich in anderen Spezialitäten durchaus besser geht.

Wie haben Sie das Projekt «Praxiseröffnung» vorbereitet?

Das Projekt der Praxiseröffnung habe ich während meiner letzten zwei Stellen 1,5 bis 2 Jahre vor Eröffnung angepackt. Informationen hierdurch habe ich mir an Praxiseröffnungsseminaren und durch Kollegen beschafft. Ein wesentlicher Teil dieser Arbeit, insbesondere jedoch auch ein strukturierter Fahrplan, wurden in Zusammenarbeit mit Federer und Partners erarbeitet. So konnte ich einen grossen Anteil der Arbeit, wie beispielsweise das Erstellen eines Businessplanes abgeben. Diesbezüglich wurden wir ja auch nie ausgebildet. So hatte ich auch wieder freie Kapazitäten für andere Arbeiten wie das Erstellen einer Corporate indentity, das Besichtigen diverser Praxisräumlichkeiten etc..

War es schwierig im Fall einer Praxiseröffnung einen Bankkredit zu bekommen?

Mit dem ausgezeichnet vorbereiteten Businessplan von Federer und Partners habe ich ein Bankkreditgesuch bei mehreren Banken eingereicht. Die Betreuung meines Anliegens wurde von den verschiedenen Banken ganz unterschiedlich gehandhabt. Einheitlich war der Kommentar bezüglich des ausführlichen und perfekten Businessplans, welcher es für eine Bank deutlich erleichtert, ein Kreditbegehren objektiv zu beurteilen. Entscheidend war schliesslich mein vorgängig an einem Praxiseröffnungsseminar geschaffener Kontakt zu einer auf medizinische Belange spezialisierten Abteilung einer der Grossbanken. Durch die Vorgespräche und dem von dieser Abteilung regelmässig gepflegten Kontakt mit Federer und Partners wurde mir schliesslich ohne Eigenkapital rasch und unkonventionell der Kredit zugesprochen.

Wie haben Sie die letzten Tage vor der Eröffnung erlebt?

Wie dies wohl üblich ist, habe ich die letzten Tage vor der Praxiseröffnung als relativ hektisch erlebt. Dies, da die medizinischen Geräte sowie die Computer erst nach Vollendung des Praxisumbaus geliefert werden konnten. Es folgte die Netzwerkinstallation. Zum Glück hatte ich einen ausgezeichneten Architekten, welcher schliesslich vom Baulichen her die Praxis zur Eröffnung termingerecht übergab. Glücklicherweise habe ich die Praxisassistentin bereits einen Monat vor Praxisbeginn einstellen können, so dass sie mir wesentliche Arbeiten und Erledigungen abnehmen konnte und so auch selber massgeblich die Verantwortung für Ihre Bereiche in der neu aufzubauenden Praxis übernehmen konnte.

Und wie war der erste Tag in der eigenen Praxis?

Am ersten Tag hatten wir glücklicherweise nur einen Patienten eingeschrieben. So konnte ich die fachspezifischen Abläufe mit der Assistentin nochmals durchspielen und die letzten technischen Probleme ausmerzen.

Wie beurteilen Sie die Situation jetzt nach 3 Jahren?

In den letzten 3 Jahren gab es ein kontinuierliches Umsatzwachstum, wobei die Abläufe in der Praxis, aber auch ich bezüglich der Praxistätigkeit, welche sich doch wesentlich von der Spitaltätigkeit unterscheidet, stets effizienter wurden. Interessanterweise blieb die Arbeitsbelastung stets etwa konstant. Somit bin ich nun nach 3 Jahren äusserst zufrieden über die berufliche Situation, geniesse aber auch die privat gewonnenen Freiheiten als selbständiger Unternehmer.

Was würden Sie heute anders machen?

Bis ich den Tipp bekam, mich bei Federer und Partners zu melden, habe ich sehr viel Zeit zur Informationsbeschaffung verloren. Somit würde ich heute früher Unterstützung durch einen Unternehmensberater suchen, würde jedoch auch einen etwas grösseren Unterbruch zwischen Spitaltätigkeit und Praxisbeginn einplanen. Die 3 Monate waren inkl. Umbau, Evaluation der letzten Geräte und Strukturierung einer komplett neu zu eröffnenden Praxis etwas knapp. Dies wird natürlich durch eine Praxisübernahme deutlich vereinfacht, da Strukturen wie evtl. auch Angestellte mit den spezifischen Kenntnissen häufig schon vorhanden sind.

Was ist das Geheimnis Ihres Erfolges?

Das Geheimnis ist wohlmultifaktoriell. Eine fundiertemedizinische Ausbildung und gute Analyse der Konkurrenzsituation ist eine wichtige Voraussetzung. Eine gute Standortwahl, als Spezialist gar ein zentraler Standort an einem Verkehrsknotenpunkt, ist ebenso wichtig, wie ein professionelles Auftreten. Nicht nur der Arzt sondern auch seine Praxisassistentinnen müssen einen guten Umgang mit den Patienten pflegen. Insbesondere zu Beginn ist ein gutes Marketing unerlässlich. Hierbei war mir die professionelle Beratung eine wichtige Stütze.

Was würden Sie Ihren Kollegen, welche den Schritt in die Selbständigkeit noch vor sich haben, mit auf den Weg geben?

Als erstes möchte ich Sie dazu ermuntern den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Die Tätigkeit in einer Praxis ist abwechslungreicher als ich mir das je vorgestellt habe. Auch fachlich kannman sich frei entfalten. Auch die Chance sein Umfeld wunschgemäss gestalten zu können ist einmalig. Ein guter Instinkt ist ebenso wichtig wie offene Ohren für wertvolle Ratschläge. Hier empfehle ich unbedingt auch professionelle Hilfe zu prüfen, um die Arbeitslast zu reduzieren.

Herr Doktor Müller, vielen herzlichen Dank für das Interview.

www.gefaesspraxis.ch