Auch wenn Banker schlecht arbeiten, bekommen sie trotzdem einen Bonus – wenn Ärzte Topleistungen erbringen, bekommen sie einen Applaus.
Da niemand auf den Gedanken kommt, dies je zu ändern, müssen wir das selbst machen! In der aktuellen Situation sind 2 Massnahmen wichtig:

  • Restart: Wiederaufnahme des Praxisbetriebes nächste Woche
  • Recovery: Den kumulierten Verlust mindestens teilweise wieder ausgleichen.

Wie sich der Restart entwickeln wird, ist schwer vorauszusagen. Wir gehen von einem zögerlichen Anlaufen aus, welches an Dynamik gewinnen und aufgrund des Nachholbedarfs auch überschiessen wird. Es gilt nun den sogenannten «Double Dip» zu vermeiden. Der erste Dip ist durch die (teilweise) Schliessung entstanden, der zweite Dip kann in der Überschiessphase entstehen: Genau dann, wenn man in dieser Phase möglichst effizient und pragmatisch arbeitet. Der Tarmed ist ein Zeittarif – Einsatz wird also nicht belohnt, nur die Zeitverwendung. Das können Sie tun:

Quantitative Massnahmen:

  • Verlust definieren
  • Kapazitätsausweitung
  • Delegation intensivieren
  • Operative Tätigkeit anpassen
  • Selbstdispensation modifizieren

Qualitative Massnahmen:

  • Abrechnungsqualität erhöhen
  • ANOVA-Index optimal ausnutzen

Quantitative Massnahme – Verluste definieren
Die Verluste können sich je nach Praxis und Spezialität sehr unterschiedlich darstellen. Zur Objektivierung ist es wichtig, diesen Verlust zu quantifizieren z.B. im Vergleich zur Vorjahresperiode oder Anzahl ausgefallener Behandlungen/Operationen etc.. Bei Verlusten von weniger als 30% vom vergleichbaren Umsatz sind Massnahmen nicht zwingend notwendig. Ein gewisser Ausgleich wird sich einstellen. Sind die Verluste grösser, empfehlen wir Ihnen eine Kombination der nachstehenden Massnahmen.

Quantitative Massnahme – Kapazitätsauslastung anpassen
In Zeiten erhöhter Patientennachfrage sollten die Kapazitäten angepasst werden, das heisst, situative Überstunden und den Umsatz kompensatorisch realisieren, nicht einfach nach hinten verschieben.

Quantitative Massnahme – Delegation erhöhen
Normalerweise wird in Stresszeiten die Sprechstundenzeit höher gehalten und auf delegierte Leistungen (RX, EKG, Lufu, Labor etc.) verzichtet, um den Stress (und leider auch den Umsatz) abzubauen. Halten Sie die Sprechzeit kurz und erhöhen Sie die delegierten Leistungen konsequent.

Quantitative Massnahme – Operative Tätigkeit
Durch die Verunmöglichung der operativen Tätigkeit durch den Lockdown (vor allem bei Augenärzten, Zahnärzten) ist ein operativer Rückstau entstanden. Diesen gilt es durch erhöhte Frequenz zusätzlicher OP-Fenster etc. auf den normalen Auftragsbestand abzubauen, damit am Jahresende kein oder nur ein geringer Verlust entsteht.

Quantitative Massnahme – Selbstdispensation
Wir gehen davon aus, dass bei etlichen Medikamenten, die chronisch eingenommen werden, sich die Liefersituation in der zweiten Jahreshälfte verschärfen wird. Man könnte die Apotheke vorausschauend aufstocken (CAVE – Kapitalbedarf). Besser ist es, den Patienten grosszügiger mit den entsprechenden Medikamenten zu versorgen, was gleichzeitig Umsatz und Liquidität verbessert (antizipierter Umsatz).

Qualitative Massnahme – Abrechnungsqualität erhöhen – Rechnungskontrolle
Die Qualität der Abrechnung, das heisst die richtige und vollständige Tarifanwendung, ist in nicht wenigen Praxen mangelhaft, mit dem Resultat einer 10-15%-igen Umsatzeinbusse. Die tägliche Kontrolle des Tagesjournals wird nur in ca. 40% der Grundversorgerpraxen systematisch durchgeführt. Falls dies nicht gemacht wird, entsteht ein durchschnittlicher Tagesverlust von 300 bis 600 Franken. Eine neutrale externe Abrechnungskontrolle erhalten Sie unter www.vanessa-federer.ch.

Qualitative Massnahme – ANOVA-Index: Potential voll ausnützen
Ein ANOVA-Index-Stand von 100 entspricht dem durchschnittlichen Kostenbild eines Arztes seiner Fachrichtung im Kanton. Toleriert ist eine Überschreitung bis Index 120. Die Mehrheit der Ärzte liegt im Bereich 95 bis 105 Indexpunkte, etwa 20% liegen unter 90%, weitere 5-10% unter 80 Indexpunkten. Diese «kostengünstigeren» Ärzte erfreuen die Krankenkassen, verursachen aber auch, dass der Frankenwert des Durchschnitts massiv gesenkt wird. Bei einem Index-Wert <80 Indexpunkten liegt in der Regel eine falsche Tarifanwendung vor. Wir empfehlen deshalb Folgendes:

  1. ANOVA-Index Ihrer persönlichen Rechnungssteller-Statistik überprüfen (https://extranet.santesuisse.ch/de/onlineshop_leistungserbringer.html).
  2. Legen Sie einen Ziel-Index fest, idealerweise zwischen 100 und 110 Indexpunkten, um Leistungserbringung und Abrechnung entsprechend anzupassen. Fragen hierzu oder Hilfestellung erhalten Sie hier unter www.vanessa-federer.ch.

Diese Massnahmen sollen dazu beitragen, dass der Restart auch wirtschaftlich gelingt und mindestens ein Teil des Verlustes wieder egalisiert wird – vielleicht wird Ihnen auch am Ende des Jahres der Banken applaudieren.