Der Bachelor und der Berset haben eine ähnliche hohe Zustimmung (82%?). Hohe Zustimmung ist aber nicht unbedingt ein Lob. Sie ergibt sich vielmehr daraus, dass man das macht (oder nicht macht), was die Mehrheit möchte. Im Moment möchte die Mehrheit rote Rosen.

Das genau bekommt sie auch: Wir handeln opportunistisch- ohne Strategie (Beispiel Grenzschliessung im Tessin). Österreich hat eine Strategie und damit Erfolg und keine opportunistischen, parteipolitisch gefärbten Entscheidungen, die nicht zum Erfolg führen. Also Klartext: Wir haben immer noch keine Strategie, also müssen wir uns selber darum kümmern. Wie könnte die wirtschaftliche Erholung aussehen?

Mögliche Szenarien der Erholung
V-Form: Diese geht davon aus, dass sich die Wirtschaft in kurzer Zeit wieder erholt und schnell zu den vorhergehenden Werten aufschliesst.

U-Form: Es wird zuerst eine Bodenbildung geben, nach dieser Konsilidierung, die unterschiedlich lange dauern kann, schliesst die Wirtschaft wieder zur vorherigen Performance auf.

L-Form: Die Wirtschaft bleibt über sehr lange Zeit auf tiefem Niveau, die weitere Entwicklung ist ungewiss.

Konsequenzen:
Je klarer die Strategie, desto schneller wird die Erholung sein. Dies geschieht davon unabhängig, welche Strategie eingeschlagen wurde:

  • Österreich – früher Lockdown
  • Schweden – Herdenimmunisierung

In der Schweiz gehen wir im besten Fall, bedingt durch politische Spielchen (z.B. Verzögerung Tracing App) und eine unklare Strategie, von einer sehr breiten U-Form aus.

Konsequenzen für die Praxisführung
Kurzfristige Konsequenzen

  • Die entstandenen Ausfälle im operativen Bereich können nur teilweise wieder aufgeholt werden.
  • Der Patientenstrom wird sich kurzfristig nur sehr langsam wieder auf Normalniveau begeben.
  • Die durchschnittliche Praxiseffizienz sinkt auf etwa 70%, wird also knapp kostendeckend (bedingt durch langsamere Organisation).
  • Die Liquidität wird in den nächsten zwei bis drei Monaten sehr eng werden.

Was können wir tun?

  • Primär gilt es die Liquidität im Auge zu behalten und die bereits eingeleiteten Massnahmen (Kurzarbeit, Kredit, schnelle Abrechnung) weiter zu prüfen und gegebenenfalls anzupassen.
  • Der Patientenstrom kann sich beschleunigen, wenn das Sicherheitsgefühl aktiv vermittelt wird, etwa durch direkten Patientenkontakt individuell über Website etc.

Mittelfristige Konsequenzen

  • Es ist durchaus sinnvoll, heute schon darüber nachzudenken, wie die Kostenstruktur an den reduzierten Umsatz angepasst werden kann/muss, um wieder in die Gewinnzone zu gelangen.
  • Wenn die Kurzarbeit zu Ende ist, schlagen die Kosten voll durch.

Langfristige Konsequenzen
Die meisten der heutigen Praxen wurden in den Boom-Zeiten gebaut. Zukünftige Praxen dürften anders aussehen:

  • Klarer Durchlaufplan (Ein- und Ausgang getrennt)
  • Verschiedene Wartezonen
  • Präziser, schneller Durchlauf
  • Reserveräume
  • Hygienekonzept in der Architektur implementiert („Form follows function“). Die führenden Praxisplaner haben sich bereits darauf eingestellt (z.B. www.meierzosso.ch).
  • Zusatzangebot im Bereich dezentrale Medizin (Videosprechstunde, etc.)

Zum Schluss noch etwas Aufmunterndes: Der Bachelor und der Berset haben eine ähnlich hohe Zustimmungsrate. Schauen Sie mal beide Sendungen, aber schalten Sie den Ton ab. Dann ist der Unterhaltungswert noch viel grösser.